Archiv der Kategorie: Allgemein

Geburtstagsparty

Einer der wichtigsten Hersteller im weltweiten Lautsprecher-Business feierte gestern seinen 100. Geburtstag, und das nur ein paar Meter vor meiner Haustür. Anlässlich dessen durfte ich den einen oder anderen Blick auf Dinge werfen, die man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt

Sie residieren seit 100 Jahren in Krefeld (plus Niederlassungen in England und Tschechien) und kaum einer, der nicht in der Lautsprecherbranche tätig ist, kennt ihren Namen: Dr. Kurt Müller.

Dabei ist „DKM“ einer der renommiertesten Spezialisten für Lautsprecherteile, den es auf der Welt gibt. Praktisch kein Treiberproduzent, der etwas auf sich hält, kommt ohne Membranen, Zentrierspinnen, Schwingspulen und Sicken aus Krefeld aus. Seit – man höre und staune – 1922 fertigt man all die hochpräzisen Kleinigkeiten, die für den Sound des Endproduktes unabdingbar sind.

Die Chance, dort mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen und ein Unternehmen entdeckt, das „Made in Germany“ nach wie vor als wertvolles Qualitätslabel begreift und sich technologisch zwischen althergebrachtem Handwerk und modernster Mess- und Fertigungstechnik bewegt.

Hier zwei Impressionen aus der Papiermembranfertigung, in der man noch jede Menge Anleihen aus „der guten alten Zeit“ der Lautsprecherproduktion findet – Vintage-Fans dürften hier bestimmt große Augen kriegen.

Natürlich bleibt so ein Besuch nicht ohne Folgen: Mehr oder weniger spleenige Ideen, was man mit den hier gebotenen Möglichkeiten realisieren könnte, entwickeln sich bereits in diversen Hinterköpfen.

In den alten Werkshallen bei tief stehender Sonne könnte ich wochenlang mit wachsender Begeisterung fotografieren, was aus verständlichen Gründen aber nur sehr eingeschränkt möglich ist. Trotzdem bin ich hier ganz bestimmt nicht zum letzten Mal gewesen und freue mich schon darauf, spannende Geschichten von und für Lautsprechernerds zu erzählen.

Testgerätenotitzen #2

Kaum sind sie da, schon müssen sie wieder an die Seite, die drei Teile des gewaltigen Thivan Labs-Vollverstärkers

Was aber nichts daran ändert, dass ich trotz anstrengender Temperaturen viel Musik mit diesem gewaltigen Ensemble gehört habe und da auch noch weiterhin tun werde. Meine Gedanken zu dem Gespann gibt’s in der kommenden Ausgabe der LP nachzulesen. Außerdem hat sich Mr. Thi (das ist die erste Silbe von „Thivan Labs“) höchst selbst für einen Besuch in meiner Kemenate angekündigt, um die Sun 833-X bei mir anzuhören.

Gestern aber hatte ich sehr angenehmen Besuch aus Japan (okay, und aus Krefeld ;-)). Hideki Kato, seines Zeichens Gründer und Chief Designer bei Soulnote, ist derzeit in Deutschland unterwegs, um den ersten Kontakt seiner Geräte mit dem europäischen Markt zu begleiten.

Mir wird dabei die Ehre zuteil, die erste Beurteilung der hauseigenen Top-Komponenten abgeben zu dürfen, die Monos M-3, die gerade mein Setup befeuern, sind tatsächlich die ersten überhaupt in Europa.

Soulnote baut Transistorelektronik abseits der ausgetretenen Pfade, Kato-san legt großen Wert aus Mechanik, deren Einfluss er auch überzeugend demonstriert.

Der Sound hat dem Meister offenbar ziemlich gut gefallen, meine Dreiwegeriche waren jedenfalls Gegenstand intensiver Inspektion ;-).

Solche Termine habe ich gerne. Entspannt, mit viel guter Musik, regem Austausch supernetten Leuten und offenbar sehr potenter Elektronik.

Sonnenuntergangslöten

Wenn ich es ja mal hinbekäme, meine Werkstatt wenigstens soweit aufzuräumen, dass man ein Gerät auf den Arbeitstisch stellen könnte, dann bräuchte ich das nicht draußen zu machen. Andererseits: Das Licht hier ist echt gut…

Da passiert nichts Dramatisches. Nur ein paar lange überfällige Modifikationen an einer meiner Lieblings-Röhrenphonos: Masseklemme, PowerCon-Netzanschluss.

Das Ding ist immer noch erste Sahne, Bernd. Gerade läuft ein van den Hul-Abtaster für knapp 13000 Euro über einen Silberübertrager von Consolidated Audio für 4000 Euro dran. Vollkommen hirnrissig, aber richtig, richtig gut. Wird Zeit, dass ich mich endlich mal an das Upgrade auf 6H30P mache.

Testgerätenotitzen #1

In meinem an exotischen Testgeräten nicht armen Alltag hat sich vor geraumer Zeit der wohl extremste Vollverstärker manifestiert, den es derzeit geben dürfte.

Das ist das dickste Kaliber des bei uns mittlerweile ziemlich bekannten vietnamesischen Herstellers Thivan Labs namens Sun 833-X. Ein dreiteiliger Vollverstärker mit rund 165 Kilogramm Gesamtgewicht.

Wenn man nicht so genau auf den Klirr achtet, sind rund 200 Watt Single Ended Class-A-Leistung pro Kanal drin. Dafür sorgt eine (!) 833C pro Kanal. Zu Beginn hatte ich ein kleines technisches Problem mit einem der beiden Ausgangsmodule, deshalb musste ich bei diesem Monster etwas mehr Hand anlegen als geplant.

Das Ding ist ohne Frage das Extremste, was ich je in den Fingern hatte. Einstweilen bin ich froh, dass ich den Tieftauchgang in die Regionen mit knapp 1500 Volt Betriebsspannung heil überstanden habe, der (vermutlich transportbedingte) Fehler beseitigt ist und ich mich damit beschäftigen kann, bei 33°C draußen Musik mit 1400 Watt permanenter Stromaufnahme hören zu dürfen ;-).

Zufallsbekanntschaft

Gestern war ich mal wieder in Essen bei Karl-Heinz Fink und Team. Und hatte eine sehr interessante Begegnung mit diesen beiden hochinteressanten Persönlichkeiten in Lautsprecherform:

Richtig, das ist ein Paar Fink Team Borg. Das steht im firmeneigenen Hörraum und wird gerade eingespielt. Was bei Finks übrigens über mehrere Tage mit jedem einzelnen Lautsprecherpaar passiert, das das Haus verlässt. Also nicht einfach „Rauschgenerator dran und Pegel drauf“, sondern so richtig. Mit Musik und Menschen, die immer mal wieder zwischendurch reinhören und sich vergewissern, dass die Dinge in die richtige Richtung gehen.

Dieses Paar hier kommt gerade frisch aus der Fertigung und ich werde mich nicht entblöden zu behaupten, dass jetzt schon alles unglaublich großartig ist und dass das der beste Lautsprecher seit Erfindung der Schwingspule ist. Tatsächlich klingt mir der große AMT noch deutlich zu sehr nach AMT und im Bass vermisse ich diese federnde Leichtigkeit, die der Zehnzöller in dieser Konstruktion bestimmt kann. Aber: Das macht nichts. Ich habe genug fabrikfrische Lautsprecher in meinem Leben gehört um abschätzen zu können, dass sich diese Aspekte noch verändern werden.

Viel bemerkenswerter finde ich, was dieser Lautsprecher auch in seinem jetzigen Zustand schon darzustellen in der Lage ist und wie deutlich er Veränderungen in der Kette hörbar machen kann. So haben wir gestern ein bisschen am Plattenspieler im Fink’schen Domizil herumgetweakt und nicht schlecht gestaunt, wie drastisch sich hier eine andere Plattentellermatte bemerkbar macht oder noch viel heftiger: Vier simple Spiralfedern unterhalb der Acapella-Basis, auf der der Dreher seinen Job verrichtet.

Klar, daran hat der exzellent präparierte Fink’sche Hörraum keinen geringen Anteil, aber trotzdem wage ich zu behaupten, dass die Borg in ihrer Gnadenlosigkeit deutlich anspruchsvoller ist als die kleine Schwester „Kim“, die den Markt für anspruchsvolle Kompaktlautsprecher in den letzten Jahren so gründlich aufgemischt hat.

Immer wieder spannend hier, und auch dieses Mal bin ich mit reichlich Dingen zum drüber nachdenken nach Hause gefahren.