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Testgerätenotitzen #1

In meinem an exotischen Testgeräten nicht armen Alltag hat sich vor geraumer Zeit der wohl extremste Vollverstärker manifestiert, den es derzeit geben dürfte.

Das ist das dickste Kaliber des bei uns mittlerweile ziemlich bekannten vietnamesischen Herstellers Thivan Labs namens Sun 833-X. Ein dreiteiliger Vollverstärker mit rund 165 Kilogramm Gesamtgewicht.

Wenn man nicht so genau auf den Klirr achtet, sind rund 200 Watt Single Ended Class-A-Leistung pro Kanal drin. Dafür sorgt eine (!) 833C pro Kanal. Zu Beginn hatte ich ein kleines technisches Problem mit einem der beiden Ausgangsmodule, deshalb musste ich bei diesem Monster etwas mehr Hand anlegen als geplant.

Das Ding ist ohne Frage das Extremste, was ich je in den Fingern hatte. Einstweilen bin ich froh, dass ich den Tieftauchgang in die Regionen mit knapp 1500 Volt Betriebsspannung heil überstanden habe, der (vermutlich transportbedingte) Fehler beseitigt ist und ich mich damit beschäftigen kann, bei 33°C draußen Musik mit 1400 Watt permanenter Stromaufnahme hören zu dürfen ;-).

Zufallsbekanntschaft

Gestern war ich mal wieder in Essen bei Karl-Heinz Fink und Team. Und hatte eine sehr interessante Begegnung mit diesen beiden hochinteressanten Persönlichkeiten in Lautsprecherform:

Richtig, das ist ein Paar Fink Team Borg. Das steht im firmeneigenen Hörraum und wird gerade eingespielt. Was bei Finks übrigens über mehrere Tage mit jedem einzelnen Lautsprecherpaar passiert, das das Haus verlässt. Also nicht einfach „Rauschgenerator dran und Pegel drauf“, sondern so richtig. Mit Musik und Menschen, die immer mal wieder zwischendurch reinhören und sich vergewissern, dass die Dinge in die richtige Richtung gehen.

Dieses Paar hier kommt gerade frisch aus der Fertigung und ich werde mich nicht entblöden zu behaupten, dass jetzt schon alles unglaublich großartig ist und dass das der beste Lautsprecher seit Erfindung der Schwingspule ist. Tatsächlich klingt mir der große AMT noch deutlich zu sehr nach AMT und im Bass vermisse ich diese federnde Leichtigkeit, die der Zehnzöller in dieser Konstruktion bestimmt kann. Aber: Das macht nichts. Ich habe genug fabrikfrische Lautsprecher in meinem Leben gehört um abschätzen zu können, dass sich diese Aspekte noch verändern werden.

Viel bemerkenswerter finde ich, was dieser Lautsprecher auch in seinem jetzigen Zustand schon darzustellen in der Lage ist und wie deutlich er Veränderungen in der Kette hörbar machen kann. So haben wir gestern ein bisschen am Plattenspieler im Fink’schen Domizil herumgetweakt und nicht schlecht gestaunt, wie drastisch sich hier eine andere Plattentellermatte bemerkbar macht oder noch viel heftiger: Vier simple Spiralfedern unterhalb der Acapella-Basis, auf der der Dreher seinen Job verrichtet.

Klar, daran hat der exzellent präparierte Fink’sche Hörraum keinen geringen Anteil, aber trotzdem wage ich zu behaupten, dass die Borg in ihrer Gnadenlosigkeit deutlich anspruchsvoller ist als die kleine Schwester „Kim“, die den Markt für anspruchsvolle Kompaktlautsprecher in den letzten Jahren so gründlich aufgemischt hat.

Immer wieder spannend hier, und auch dieses Mal bin ich mit reichlich Dingen zum drüber nachdenken nach Hause gefahren.

OMAtös

Produktvorstellungen mache ich hier ja eigentlich nicht, aber…

Was Oswalds Mill Audio-Mastermind Jonathan Weiss hier wieder aus dem Hut gezaubert hat, das ist schon lecker. Das Projekt heißt „Special K“ und es handelt sich um einen Röhrenvollverstärker. Einer mit vier KT88 pro Kanal, je zwei davon parallel, im Push-Pull-Betrieb. Die dafür angegebenen 50 Watt Ausgangsleitung erscheinen mir sehr konservativ.

Oswalds Mill Audio dürfte eines der Zugpferde auf der High End in München nächsten Monat sein, zumal unsere lieben Freunde von Silbatone, wie die allermeisten Asiaten, der Show in diesem Jahr fernbleiben (müssen).

Wer auf der High End mit mir reden will – die Chance, mich dort (Atrium 3.1, D105) anzutreffen, dürfte relativ hoch sein. Oder im Atrium 4.1, Raum E121, beim Fink Team, wo ich auch ein bisschen Musik auflegen werde.

HiFi Rose RA180

Heute bei mir eingetroffen: das europaweit erste Exemplar des HiFi Rose RA180, ein koreanischer Vollverstärker der etwas anderen Art. Der Pegelsteller ist jedenfalls schon mal großes Kino:

Klar, da hat jemand bisschen bei Nagra hingeguckt, aber mir gefällt’s trotzdem. Was das Ding alles kann, weiß ich noch nicht genau, es ist aber offenbar eine Menge – Genaueres gibt’s in der kommenden Ausgabe der LP

HiFi-freies Wochenende

Naja, zumindest fast. So ganz ohne Musikhören geht’s natürlich nicht, auch wenn man zum Brennholz machen anreist

Knapp zwei Tage Vollgas geben – das hatte auch mal was. Micha und ich waren wieder mal in Bremen bei Olli und haben dafür gesorgt, dass es da warm ist, wenn wir in den kälteren Jahreszeiten wiederkommen ;-). Es gibt noch ein paar Bilder mehr.

Nix Neues beim Thema HiFi? Falsch.

Man sollte meinen, aus der schnelllebigen Digitalzunft würden die technischen Innovationen in Sachen Wohlklang nur so auf den Audiophilen an und für sich niederprasseln. Scheint mir aber nicht so zu sein. Man strömt mit oder ohne Roon und die Entwicklung hochauflösender PCM- und DSD-Tonformate scheint ihren Zenit erreicht zu haben. Was sich abzeichnet ist das lange prognostizierte CD-Revival auf kleiner Flamme, aber sonst scheint mir derzeit nicht viel los zu sein zwischen Bits und Bytes in Sachen Audio.

Etwas anders sehen die Dinge ausgerechnet bei der ollen Schallplatte aus. Ob’s der vielbeschworende Plattenfertigungs-Hype namens „HD-Vinyl“ irgendwann mal zu einem realen Produkt schafft weiß ich nicht, viel interessanter ist ohnehin das, was derzeit am vorderen Ende des Tonarms passiert, denn das ist sehr real.

Wir erleben derzeit nämlich ein paar richtig innovative Dinge beim Tonabnehmer an und für sich. Ganz vorne an stehen dabei sicherlich die nunmehr in dritter Generation erschienenen elektrooptischen Abtaster des japanischen Herstellers DS Audio. LP-Lesern wird nicht entgangen sein, dass ich deren – zugegebenermaßen vollkommen abstrus bepreistes – Flaggschiff „Grand Master“ (55 k€ inklusive des zweiteiligen zentnerschweren Entzerrers) für das Maß der Dinge in Sachen Schallplattenabtastung halte, aber das ist nicht der Grund für diese Zeilen. Sondern meine Erfahrungen mit den etwas diesseitigeren Auprägungen der Lichtstrahlabschwächungstonabnehmer DS-E1 und jüngst mit dem DS003. Und so überzeugend beide mit den hauseigenen Entzerrern auch spielen, das Ende der Fahnenstange erreichen die Abtaster damit nicht. Sage ich als jemand, der in der jüngeren Vergangenheit sechs verschiedene Spezialentzerrer für solche Abtaster gehört hat.

Der japanische Soul Note E-2 ist neben den DS Audio-Typen dabei derjenige, der am ehesten einem richtiges Produkt darstellt, wenngleich (noch) eines ohne Vertrieb in unseren Breitengraden. Noch merklich beeindruckender gibt sich aber das, was da so im stillen Kämmerlein fernab kommerzieller Pfade vor sich hin köchelt.

Auf „Bernds Röhrenentzerrer“ reite ich hier ja schon länger herum. Und seitdem jener seine letzten Problemchen losgeworden und mit dem DS003 verbandelt ist komme ich nicht mehr umhin, der Schallplattenwiedergabe ein Niveau zu attestieren, das ich bis hierhin nicht für möglich gehalten hatte. Das ist so dynamisch. störgeräuscharm, fest, detailliert und kernig, das klingt wie CD. Nur in gut.

Klanglich völlig anders, aber mindestens ebenso beeindruckend ist das, was Andrejs Staltmanis die Tage in Gestalt dreier Kisten bei mir zusammenstöpselte. Sein Entzerrer in Hybrid-Technik spielt zur Zeit nur mit dem DS-E1 und rauscht noch ein bisschen, tönt aber so unfassbar zart, fein und weiträumig, dass ich echt gestaunt habe.

Beides nützt Ihnen als interessiertem Konsumenten im Moment noch nichts, zeigt aber sehr deutlich auf, wieviel Potenzial in den elektrooptischen Tonabnehmern steckt. Zumindest den Soul Note nebst DS003 wird’s übrigens in München auf der High End (beim Fink Team) zu hören geben.

Das allerdings ist nicht die einzige spannende Nachricht aus dem Tonabnehmerlager: Der ebenfalls japanische Hersteller Analog Record Sound stellte unlängst einen mikrofonbasierten(!) Abtaster vor.

Hier sind tatsächlich zwei der Smartphone-Technik entliehene winzige Kondensatormikrofone damit beschäftigt, die Schwingungsgeräusche des Nadelträgers in eine elektrisches Signal von 250 Millivolt Amplitude zu verwandeln, das keinerlei Entzerrung mehr benötigen soll (wobei ich da so meine Zweifel habe). Trotzdem. Wenn das funktioniert, ist es der nächste Nagel in den Sarg der altehrwürdigen MC- und MM-Technik. Selbstverständlich gibt es Bestrebungen, so eines Abtasters Herr zu werden.

Liest sich ein bisschen wie ein „LP“-Editorial hier, stelle ich gerade fest – sry ;-).

To do

So viel zu tun, so wenig Zeit… Vielleicht sollte ich wenigstens mal kurz anreißen, was denn alles so im stillen Kämmerlein köchelt und darauf wartet, hier veröffentlicht zu werden. Tatsächlich nämlich stecke ich im Moment in einer der selten Phasen, in denen ich tatsächlich Dinge erledigt bekomme – dafür mangelt’s bei der Berichterstattung ;-).

  • die Geschichte zum Frickelfest Essentials im vergangenen Oktober
  • selbiges zum European Triode Festival im November
  • die Story über den Lautsprecher, der zu besagtem ETF entstanden ist (mit ALE-Woofern und klug’schen 1803-Hörnern)
  • der Selbstbau-Streamer nur mit Teilen aus der Restekiste
  • etwas über „audiophile“ Netzwerk-Switches
  • das 5-KVA-Trenntrafo-Projekt
  • eine Geschichte über alte Elkos

Ich arbeite dran. Und nebenbei will auch noch das Frickelfest organisiert werden, für das man sich ab morgen anmelden kann.