Accuphase C-47

Ja, natürlich ist das bescheuert. Aber an dieser Stelle darf ich das: mich nämlich in voller Geek-Montur über ein Gerät hermachen, das ich noch nie in Händen hatte

Klar isses ne Accuphase-Maschine. Wer außer den japanischen High-End-Senseis liefert schon mit solch präzisem Timing immer wieder Neuheiten, die den Begriff auch verdienen? Die brandneue Phonovorstufe C-47 ist mal wieder so ein Ding. Sie kommt ziemlich genau sechs Jahre nach dem Vorgängermodell C-37, das wiederum nach sechs Jahren die Nachfolge der C-27 antrat.

Und natürlich könnte ich bequem darauf warten, bis PIA HiFi auf den exzellenten Gedanken verfällt, mit das neue Schmuckstück zu Begutachtung zur Verfügung zu stellen. Nachdem ich allerdings mit dem Vollverstärker-Urknall E-800 schon als allererster Pressefritze überhaupt spielen durfte kann ich zumindest nicht ausschließen, dass diesmal jemand anderes den Vortritt bekommt. Weil ich aber schon anhand der zur C-47 verfügbaren Informationen Einiges über das Gerät zu sagen habe, mache ich das einfach hier und jetzt.

Warum das überhaupt geht und für einen vermutlich eingeschränkten Leserkreis von Interesse sein könnte? Weil’s bereits einen wie immer hervorragenden Prospekt von der Maschine gibt, darüber hinausgehende technische Erläuterungen und exzellente Fotos in wirklich hoher Auflösung. Ich muss gestehen, dass der Ingenieur in mir eine sehr lange Nacht damit verbracht hat, alle denkbaren Details vom Aufbau des Gerätes daraus zu extrahieren. Und wenn man’s nur mal als Inspiration für das eine oder andere Selbstbauprojekt nimmt.

Auf den ersten Blick ist die C-47 nur für Eingeweihte von der zweifellos hervorragenden C-37 zu unterscheiden:

Mit der durfte ich ja eine ganze Weile meine Zeit verbringen und so richtig ist es uns noch nicht geglückt, wieder etwas in jeder Hinsicht Adäquates in den Hörraum zu stellen.

Das „Gesicht“ der Neuen wirkt vertraut, das ist bei Accuphase Programm: Behutsame Veränderungen an der Optik sind okay, echte Brüche in der Aufmachung nicht. Funktioniert beim VW Golf, funktioniert hier genau so. Und so stellen wir fest, dass im zentralen Fenster rechtsseitig neuerdings ein Siebensegment-LED-Display leuchtet, während die eingestellte Tonabnehmer-Abschlussimpedanz beim Vorgänger noch per Leuchtdiodenkette am unteren Rand angezeigt wurde. Hüben wie drüben gibt’s sechs einzustellende Werte, geändert hat sich indes einer: Die ziemlich extremen 3 Ohm gibt’s nicht mehr, dafür sind derer 200 dazu gekommen – das ergibt Sinn, in diesem Bereich ist eine zusätzliche Wahlmöglichkeit eine gute Idee.

Was mir erst jetzt auffällt und beim C-37-Test vermutlich unterschlagen habe: Man kann hier auch im MM-Betrieb mit Abschlussimpedanzen spielen: 1, 47 und 100 Kiloohm lassen sich schalten, was definitiv eine gute Idee ist.

Das vermutlich Entscheidende an der C-47 jedoch deutet das Vorhandensein eines vierten Eingangs an, der zudem im XLR-Format ausgeführt ist. Und hier steckt die Sichel im Brot: Technisch nämlich ist die C-47 eben keine behutsam modernisierte C-37, sondern eine komplette Neuentwicklung – sie zählt nämlich zur immer noch raren Spezies der vollsymmetrischen Phonovorstufen.

Fangen wir also an, in technischer Opulenz zu schwelgen und werfen wir einen Blick auf das (großartig detaillierte) Funktionsschaltbild des Gerätes:

Zum Aspekt der Symmetrie kommen wir noch, zunächst erst einmal kümmern wir uns um die generelle Struktur der Schaltung: Tatsächlich nämlich ähnelt die C-47 eher der C-27 als der C-37 – eine sehr interessante Kehrtwendung beim Schaltungsdesign.

Will sagen: Für MC- und MM-Betrieb gibt es nunmehr wieder komplett unterschiedliche „Front Ends“, deren Signale später wahlweise weiter verstärkt werden. Bei der C-37 folgte Accuphase dem gängigeren Ansatz, eine MM-Phonovorstufe zu bauen und bei Bedarf einen MC-Vorverstärker vorzuschalten. Hier wie bei schon der C-27 ging man den kompromisslosen Weg und optimierte die ersten Verstärkerstufen jeweils für eine Tonabnehmergattung. Was bedeutet, dass man jederzeit mit zwei Verstärkerstufen im Signalpfad hinkommt, während die C-37 im MC-Betrieb derer drei braucht(e). Was nun nichts Schlimmes sein muss, im technischen Sinne schöner, weil elektrisch kürzer ist aber die hier gewählte Lösung.

Da gucken wir doch gleich mal genauer hin:

Auf der linken Seite des Prinzipschaltbildes sind die beiden Eingangsbaugruppen dargestellt. Bei beiden handelt es sich um einen Teil eines so genannten Instrumentenverstärkers. Das ist eine in der Messtechnik sehr beliebte Anordnung zur Verstärkung symmetrischer Signale, die außerdem in der Lage ist, unsymmetrische Signale zu symmetrieren. Symmetrischen Anschluss billigt Accuphase bei der C-47 allerdings ausschließlich MC-Abtastern zu, MM-Tonabnehmer hält man diesbezüglich für ungeeignet:

An der Stelle muss ich gestehen: Das ist mir neu, da muss ich weitere Nachforschungen anstellen. Wenn es allerdings stimmt, dass bei MMs in den meisten Fällen eine Art von Abschirmung mit an der Minusleitung zumindest eines Kanals des Tonabnehmersignals hängt, dann haben die Accuphase-Mannen Recht mit ihren Ausführungen: In diesem Falle nämlich würde diese Schirmung bei symmetrischem Anschluss wie eine Antenne wirken und zusätzliche Störungen einfangen, die eine symmetrische Verstärkung nicht ausfiltern würde. Das kann sie nämlich nur bei so genannten Gleichtaktstörungen, die auf die beiden symmetrischen Signalkomponenten gleichermaßen wirken. Von daher wäre es absolut korrekt, MMs unsymmetrisch anzuschließen. Dann nämlich wäre der negative Signalanschluss niederohmig mit Masse verbunden und die Störungen würden abfließen können. Prinzipiell sind jedoch beide Eingangsstufen der C-47 symmetrische „halbe Instrumentenverstärker“, wie uns das Prinzipschaltbild verrät. Für den MM-Betrieb liegt lediglich der Minus-Eingang auf Masse.

Und warum dann überhaupt zwei unterschiedliche Eingangsstufen? Weil MM- und MC-Signale auf unterschiedliche Art optimal verstärkt werden wollen. MCs haben ganz leichte Spulen mit sehr wenig Draht. Deshalb sind sie niederohmig und liefern sehr wenig Spannung (Innenwiderstand im Bereich weniger Ohm, Ausgangsspannung um ein paar hundert Mikrovolt). MMs hingegen haben sehr viel Draht auf den Spulen (die müssen ja auch nicht bewegt werden), sind deshalb hochohmig (im Bereich einiger Kiloohm) und liefern viel Spannung (etwa um den Faktor zehn mehr als MCs). So, und jetzt kommt’s: Bei der Verstärkung von Signalen niederohmiger Quellen wie MC-Spulen dominiert das sogenannte Spannungsrauschen. Davon haben Halbleiter in Bipolartechnologie am Wenigsten, weshalb die MC-Eingangsstufe mit zweimal neun parallelgeschalteten Bipolartransistoren arbeitet. Bei hochohmigen Signalen wie bei denen von MMs hingegen spielt das Stromrauschen die dominierende Rolle. In dieser Disziplin sind Feldeffekt-Halbleiter um Größenordnungen besser, weshalb die das Mittel der Wahl für diesen Anwendungsfall sind. Accuphase schaltet zweimal drei FETs am Eingang dieser Stufe parallel.

Ich sag mal: alles richtig gemacht. Und das, was nun klein und dunkel hinterlegt folgt ist nur für technisch Hartgesottene und darf bei Bedarf gerne übersprungen werden.

Klar habe ich so weit wie möglich ins Platinenfoto hinein gezoomt, sicher hat mich interessiert, was Accuphase da für Bauteile einsetzt. Insbesondere rauscharme JFETs sind heutzutage ja extrem rares Gut. Tatsächlich haben die Japaner für ihre MM-Eingangsstufe einen interessanten Kandidaten ausgegraben, den zumindest ich bislang noch nicht auf der Liste hatte – den 2SK3557 von ON Semi. 15 V maximale Drain-/Source-Spannung sind nicht üppig, aber das lässt sich (offensichtlich) handhaben. Auch gibt es ihn in zwei IDSS-Klassen gestaffelt, fast wie bei den seligen Toshiba-Typen, denen wir alle hinterher trauern. Der 2SK3557 ist auch deshalb spannend, weil er in Hunderterstückzahlen um 20 Cent kostet. Entwickelt wurde er eigentlich für den Einsatz in Rundfunkempfangsteilen. Das erklärt, warum es kein passendes P-Kanal-Äquivalent gibt und warum auch seine Produktionsdauer vermutlich nicht bis in alle Ewigkeiten reichen wird. Einstweilen aber war es die Entdeckung dieses winzig kleinen Dreibeiners schon mehr als wert, mich mit der C-47 eingehend auseinanderzusetzen.

Und wie sieht’s am MC-Eingang aus? Da bin ich mir nicht ganz sicher. Vermutlich kommt dort ein NPN-Transistor von NXP namens BFR92A zum Zuge. Ebenfalls eine sehr gute Wahl, aber auch schon wieder Geschichte. Was schade ist, weil es mit dem BFT92 sogar einen (ebenfalls nicht mehr erhältlichen) Komplementärtyp gegeben hätte. Mouser schlägt als Alternativtypen den BFU530A vor. Auch nicht uninteressant. Aber, wie gesagt, nageln Sie mich nicht darauf fest, das mit dem Identifizieren von SMD-Halbleitern ist so eine Sache.

Weiter heißt das: Hinter den beiden Eingangsstufen ist alles bei der C-47 symmetrisch – egal, wie der/die Abtaster am Gerät angeschlossen sind. Aus Gründen der Orientierung werfen wir am Besten mal einen Blick auf die „Landkarte“ einer Verstärkerplatine. Das ist natürlich ein Kanal, zwei dieser Prachtstücke sind übereinander angeordnet:

Der „Equalizer Amp“ ist so etwas wie das Herzstück der C-47. Ebenfalls vollkommen diskret aufgebaut, besorgt er die zweite Stufe der Signalverstärkung, außerdem passiert hier die Entzerrung nach der RIAA-Kennlinie. Wenn das Blockschaltbild oben technisch akkurat ist (wovon ich ausgehe), dann findet die Entzerrung ausschließlich „aktiv“ statt, will sagen: über die Gegenkopplung dieser hoch interessanten vollsymmetrischen Verstärkerstufe. Zu den nicht ganz unwichtigen Kondensatoren im Entzerrernetzwerk kann ich wenig sagen – vermutlich sind’s die schwarzen, roten und orangen „Bonbons“ am unteren Rand dieser Stufe. Natürlich habe ich auch hier wieder Bauteileforschung betrieben:

Die Hauptarbeit in dieser Stufe verrichten SOT-23-Winzlinge namens 2SC3324 respektive 2SA1312. Ganz wunderbare rauscharme Universalisten mit 100 mA Kollektorstrom und beeindruckenden 120 Volt Spannungsfestigkeit. Die Dinger gehen in Audioschaltungen fast immer und überall – große Klasse. Gescheitert bin ich an den beiden hier – vielleicht kann da ja jemand aus der Leserschaft weiterhelfen. Die beiden vierbeinigen Kollegen kriege ich nicht identifiziert.

Wenn wir auf der symmetrischen Seite der Dinge bleiben, dann sind wir jetzt fertig – abgesehen von der netten kleinen Accuphase-Spezialität, dass man bei den XLR-Ausgängen die absolute Phase umschalten kann. Wenn man die Ergebnisse allerdings unsymmetrisch abholen will, dann kommt noch der „Line output amp“ ins Spiel. Dieses nette, ebenfalls diskret aufgebaute Verstärkerstüfchen besorgt kurz vor Schluss noch mal kurz eine echte Differenzwertbildung aus den beiden symmetrischen Signalanteilen und stellt diese per Cinchbuche bereit. So und nur so darf man den unsymmetrischen Ausgang an so einem Gerät realisieren.

Und sonst? Die zwölf Relais (die roten Klötzchen) rechts auf der Verstärkerplatine sind sicherlich fürs Umschalten der Eingangsimpedanzen zuständig. Den Job der vier Doppeloperationsverstärker zumindest in der Nähe der Verstärkerstufen (das sind die achtbeinigen SMD-Chips) kenne ich nicht, würde aber auf Spannungsregelung tippen.

Die Stromversorgung des Gerätes ist das, was ich am ehesten als „normal“ bezeichnen würde. Was nicht bedeuten soll, dass Accuphase nicht auch diesem klanglich erstaunlich wichtigen Teil des Gerätes viel Aufmerksamkeit gewidmet hätte. In der C-47 gibt’s kanalgetrennte Netztrafos, das ist neu. Die beiden Netzteilplatinen sind ebenfalls für je einen Kanal zuständig und sehen so aus:

Halt. Kommando zurück. Das sind keine zwei Netzteilplatinen. Bei der Bauhöhe der dicken Elkos würde das keinesfalls ins Gehäuse passen. Eine Netzteilplatine, aber kanalgetrennte Regelungen – das hört sich plausibler an. Die Doppelspannungen fürs Analoge werden offenbar von abermals diskreten Regelschaltungen bereitgestellt.

Kurzer Einschub: Auch hier lassen sich wieder interessante Halbleiter ausmachen: Toshibas 2SC5171 und 2SA1930 sind genau das, was man als Endstufen bei solchen Reglern haben will. Und richtig, auch die sind bereits abgekündigt. Es wird nicht einfacher auf dem Bauteilemarkt.

Zum ersten Mal fällt mir übrigens auf, dass Accuphase in Sachen Bauteileauswahl versucht, sich soweit wie möglich bei japanischen Herstellern zu bedienen: Transistoren von Toshiba, Elkos von Nippon Chemicon, Relais von NEC und bestimmt noch Einiges mehr. Verständlich – die japanischen Zulieferer zählen zu den feinsten, die es gibt und ein bisschen „Made in Japan“-Stolz ist hier sicherlich angebracht.

So. Jetzt können wir den virtuellen Deckel eigentlich wieder draufschrauben und den Hörtest starten. Das allerdings macht virtuell wenig Sinn und muss warten, bis ich die Maschine real in Händen halte. Bis dahin hoffe ich, dass die neuerdings gebürstete und schwarz eloxierte Deckelplatte optisch nicht so unglücklich wirkt wie die der Endstufe A-48, aber da darf man auch gerne anderer Meinung sein.

In technischer Hinsicht jedenfalls, das steht völlig außer Frage, ist die C-47 eine extrem seriöse, konsequente und vollkommen „bullshit-freie“ Entwicklung. Und es spricht für den Hersteller, dass er sich so tief in die Karten gucken lässt, denn Accuphase hat einfach nichts zu verstecken. Die technischen Fakten sprechen für sich, hier muss nichts mit „Philosophie“ schönargumentiert und mit Boutique-Bauteilen aufgehübscht werden.

Meine besten Grüße an PIA HiFi Weiterstadt, über die Zusendung des Gerätes zur weitergehenden Begutachtung würde ich mich sehr freuen.

11 Gedanken zu „Accuphase C-47

  1. Joachim

    Hallo Holger,toller Beitrag alles schön aufgefächert und beleuchtet. Der Preis der heißen Accuphase-Maschine stimmt sicher auch…Joachim

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  2. Ulrich Matner

    Hallo,ein paar Anmerkungen zu Horst Göbel. Hifi als Statussymbol? Würde ich eher bei Autos/Uhren/Kleidung annehmen, die eben für viele unmittelbar sichtbar sind. Spielzeug? Ja, durchaus. Ich stimme zu, dass es im Hifi-Bereich vielerlei Excesse gibt. Diese sind doch aber unserem Wohlstand und dem menschlichen Streben, immer noch eins draufzusetzen geschuldet und so für mich ok. Ich finde es klasse, über diese „excessiven“ Geräte eingehend etwas erfahren und unterschiedliche Prinzipien vergleichen zu können. Klar ist auch, dass hier das Gesetz des abnehmenden Grenzertrages gilt: jede auch kleine Verbesserung muss teuer bezahlt werden. Bei Hifi kommen noch individueller Geschmack und Hörempfinden dazu. Ich für meinen Teil fand das Urika sehr gut gemacht: ohne jegliche Störgeräusche und zu 100% zuverlässig. Leider war es für mich schlicht langweilig. Es kam mir so perfekt vor, dass ihm jeglicher Widerhaken aberzogen war. Zum Hören für mich deswegen weniger geeignet.

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  3. Horst Göbel

    Hallo,eigentlich bestehen die ganzen Fortschritte (und damit meine ich nicht nur Accuphase) aus der Optimierung von, ich sage es mal ketzerisch, alter Technologie.Hier entsteht nichts wirklich neues, man versucht immer wieder, Transistoren oder Röhren so zu kombinieren, dass was gutes dabei raus kommt. Netzteile werden gnadenlos überdimensioniert und durch Materialschlachten wird Wertigkeit vorgetäuscht. Aber seien wir mal ehrlich, diese Prinzipien sind seit den seligen Tagen von McIntosh, Marantz und anderen gang und gäbe und finden dann immer wieder ihre Höhepunkte in Geräten, die man nur noch mit einem Gabelstapler bewegen kann. Hinzu kommen Philosophien, die die schlechten Messwerte von verschiedenen Geräten versuchen zu kaschieren und um die Preise im 5- und 6-stelligen Eurobereich zu rechtfertigen.Aber gut, die Menschen wollen ihre Spielzeuge und Statussymbole. Und bevor mir nun vorgeworfen wird, ich hätte keine Ahnung: Ich war schon bei der ersten High-End in Düsseldorf dabei und habe wahrscheinlich schon mehr Hörsitzungen in HiFi-Studios und privaten Enthusiasten absolviert als viele andere.Viele GrüsseHorst

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    1. hb Beitragsautor
      Die High End in Düsseldorf hieß HiFi-Video und ich war natürlich auch da ;-). Natürlich ist das nicht ganz falsch, was sie da sagen. Viel „modernes“ HiFi ist alter Wein in neuen Schläuchen und die „Innovation“ besteht darin, Aufwand um des Aufwandes wegen zu betreiben. Intelligent Lösungen sind ganz klar die Ausnahme. Als eine solche betrachte ich Accuphase definitiv. Weil man dort eben nicht eine halbes Jahrhundert alte Standards bemüht, um die bestehenden Probleme zu lösen. Auch wenn gerade das Thema Phonovorverstärkung nun wirklich schon von allen Seiten beleuchtet worden ist, darf man sich über jeden halbwegs innovativen oder auch nur konsequenten Ansatz zu diesem Thema freuen. Wir dürfen nicht vergessen: In ganz vielen Fällen geht’s eben nicht mehr wie zu Zeiten von Marantz und McIntosh. Ganz einfach deshalb, weil die dafür erforderlichen Bauteile nicht mehr zur Verfügung stehen. Klar, man kann eine gute Phonovorstufe auch heute noch mit zwei Übertragern und zwei bis vier E88CC realisieren, aber kommerziell machen das nur Kleinstunternehmen ohne die Möglichkeiten zu einer echten Entwicklung.
      Innovative Lösungen bieten Leute, die leugnen würden, wirklich innovativ zu sein. Nelson Pass. Joachim Gerhard. JC Morrison. Frank Blöhbaum. Jeder mit seiner eigenen Handschrift. „Innovativ“ ist aber noch lange kein Garant für Erfolg. Accuphase-Entwicklungen lenen von einer extrem seltenen Konsequenz bei der Umsetzung, das muss nicht zwangsläufig mit Genialität zu tun haben. Und auch so etwas nehme ich sehr ernst und deswegen beschäftige ich mich sehr gerne damit.
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      1. Horst Göbel

        Hallo Herr Barke,bitte nicht falsch verstehen: Es gibt durchaus gute (konventionelle) Geräte. Ich denke da auch an Accuphase, Naim, Pass oder ähnliches. Ich vermeide gerne in meinen Aufzählungen Geräte, die mehr als ein Vermögen kosten und deren Gewicht exorbitant ist. Aber seinen wir mal ehrlich, eine sehr gute Photo-Vorstufe lässt sich heute durchaus zu vertretbaren Kosten mit einem guten AD/DA-Wandler und der passenden Software realisieren. Kombiniert mit einem guten Schaltnetzteil ergeben sich Möglichkeiten, davon können analoge Phonovorverstärker nur träumen.Ich weiss, wieder Ketzerei….Aber wer eine Linn-Kette mit Urika 2 ist durchaus kostengünstig (nicht billig) und super.Viele GrüsseHorst Göbel

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      2. Erwin

        Immer wieder herzerfrischend einen solchen Beitrag zu lesen, ein echter Barske eben! Danke dafür, schönen Abend noch!

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  4. christian rintelen

    ich verstehe die überlegung von accuphase nicht ganz, die RIAA-entzerrung doppelt gemoppelt in die feedbackschlaufe zu plazieren. allein wegen der bauteiltoleranzen werden die beiden schaltungen NIE 100 prozent identisch sein. viel einfacher (und «richtiger») wäre es doch, die entzerrung *zwischen* das 0- und das 180-grad-signal zu hängen. so bräuchte es nur halb so viele teile und die toleranzen hätten keinerlei einfluss auf symmetrie (und CMRR) des signals.20 µV-signale mit relais zu schalten, ist auch ziemlich mutig. in freier wildbahn findest du kein relais, das für solch niedere spannungen optimiert ist – schon für 1 mV und <1 mA findest du kaum etwas. und nachdem ich an ETFs schon mehrfach demonstrationen wie «The Sound Of Relais» oder ähnlich beiwohnen durfte, hüte ich mich, so schwache signale mittels relais zu schalten. dann lieber noch per steckbrücke oder, falls gar nicht anders möglich, per DIP-schalter. (kommt hinzu: in der NC-stellung wird der schliesser einzig durch … ja durch was eigentlich? … auf dem kontakt gehalten. und in der NO-stellung ist dann plötzlich noch ein starker elektromagnet in direkter nachbarschaft des schwachen signals. und was magnetfelder mit wechselstromsignalen anstellen können, dürfte dir bekannt sein 😉 (bleiben noch die «latching» relais, die in beiden stellungen ohne elektromagnet auskommen. wie gut da wohl die kontaktintegrität ist?)nach all dem gemecker noch einen tipp zum schluss: falls du sehr, sehr leise eingangstransen für deine nächste MC-stufe suchst: ich sage nur ZTX851 … 😉

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    1. hb Beitragsautor
      Hi Christian,
      danke für deinen Input. Bei deinem Einwand, die Entzerrung besser differentiell zu verschalten gebe ich dir Recht. Ich halte es aber für möglich bis wahrscheinlich, dass das hier auch passiert ist und wir die Realitäten der tatsächlichen Schaltung einfach nicht genau genug kennen. So, wie es das Blockschaltbild suggeriert ist es eigentlich suboptimal. Gewissheit wird’s dann geben, wenn wir mal die Abweichung von der RIAA messen konnten ;-).
      Das mit den Relais ist mir auch aufgefallen. Jetzt könnte man argumentieren, dass die ja nicht „im Signalweg liegen“ und immer nur Widerstände parallel zum Eingang schalten. Vermutlich würdest du mir dann Kirchhoff um die Ohren hauen und zurecht sagen, dass es in dieser Situation sowas wie „nicht im Signalweg“ nicht gibt. Es gibt aber Relais, die sowas können. Die hier eingesetzten (Datenblatt: mouser.com/datasheet/2/283/ea2-1419.pdf) gehören tatsächlich per Definition nicht dazu, der Hersteller spezifiziert die Kontakte für minimal 10 mV und 10 µA.
      Ob’s trotzdem funktioniert müssen auch hier Messungen (und die Ohren) zeigen.
      ZTX 851 sehe ich mir selbstverständlich an, danke für den Tipp.
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  5. Michael Altmann

    Diese Vorstufe würde den kürzlich auf Facebook gezeigten Plattenspieler mit vier Tonarmen doch ideal ergänzen. Ich drücke mal die Daumen, dass es von der P.I.A. Hi-Fi Vertriebs GmbH bald eine Dauerleihgabe gibt.

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