Zwei Mann, ein Hund, zwölf JBL-Treiber

Am Osterwochenende habe ich mich endlich mal wieder getraut, die Nase etwas weiter aus der Tür zu stecken und bin nach Bremen gefahren, Olli besuchen. Natürlich alles im Rahmen des Erlaubten und korrekt distanziert

Zum Einen war der Lagerkoller mittlerweile so ernst, dass direkte soziale Interaktion zumindest in minimalem Maße mal wieder dringend erforderlich war. Zum anderen hatten wir eine Mission mit drei Buchstaben: JBL. Da gab’s nämlich ein paar zig Kilo Alteisen, die wieder in Form gebracht werden wollten, um in kommenden laut sprechenden Großtaten eingesetzt zu werden.

Da waren erst einmal die vier Fünfzehner vom Typ E140, die wir ja vor einer gefühlten Ewigkeit bei mir in Duisburg gebaut hatten und die immer noch auf ihre dust caps warteten. Und dieses Paar 136A, das zu bauen ich vor längerer Zeit beschlossen hatte, weil’s auf dem Papier einfach noch ein bisschen geiler ist als der großartige 2235H – wir erinnern uns. Olli wollte etwas sehr Ähnliches als Zwölfzöller haben, was bei JBL dann 124A heißt. Ergo: Nehmen wir uns das Osterwochenende zum Bier trinken, Musik hören und Treiber bauen. Und fürs Spazierengehen mit Hundedame Tessa, die bekanntermaßen der Dreh- und Angelpunkt des Olli-Kosmos ist.

Die ersten warmen Frühlingstage waren gerade im Begriff, eher unerfreulichem Wetter zu weichen, als ich in Bremen ankam, weshalb die ganze Aktion sehr viel mehr zu Indoor-Aktion wurde, als wir das eigentlich gehofft hatten. Beschallt von Ollis neuer Lautsprecherkreation ging’s ans Werk.

Im Bass werkelt ein kunstvoll mit JBL- und Visaton-Teilen restaurierter14,5-Zöller von Yamaha, das obendrauf ist ein Beyma-Schlitzstrahler, das Mitteltondings bekomme ich nicht mehr zusammen. Klang jedenfalls extrem locker und angenehm an einem ollen Accuphase E-204, das Ganze.

Das Unerfreulichste am Restaurieren alter Basstreiber ist das Entfernen der Kleberreste der alten Schwingeinheiten. Nachdem Olli aber entdeckt hat, dass das mit einem oszillierenden Multitool (früher, als das Patent noch aktiv war, war’s einfach der Fein Multimaster) ruck-zuck und ohne Fluchen zu bewerkstelligen ist, reiste ich bereits mit fertig „geschälten“ Körben an, Ollis Zwölfer waren diesbezüglich schnell erledigt.

Der Reconing-Prozess selbst hätte sicherlich mal eine eigene Geschichte verdient, möglicherweise auch in der Klang + Ton, hier will ich gar nicht allzu detailliert darauf eingehen. Was die an diesem Wochenende zu realisierenden Treiber allerdings besonders macht ist der Umstand, dass sie mit Zusatzmasse in Gestalt von innen am Schwingspulenträgerrand zu verklebenden Ringen zu beschweren sind:

Die – in diesem Fall 35 Gramm schweren – Ringe liegen den Reconing Kits grundsätzlich nicht bei und müssen – so man denn keine alten hat – für viel Geld zugekauft werden, wenn man’s denn nicht einfach unter den Tisch fallen lässt. Dieses Schicksal widerfuhr ja auch den für meine 4355 damals aufgebauten 2235H. Zu der Zeit war ich in Sachen JBL-Treiber noch ziemlich grün und der ausführende Betrieb hat’s einfach kommentarlos unter den Tisch fallen lassen. Das ist jetzt kein Beinbruch, aber es gibt durchaus den Plan, meiner „Dicken“ irgendwann mal richtige 2235 zu bauen. Mit Massering und einem Antrieb in korrekter Stärke, der jetzige ist bekanntermaßen ein bisschen zu kräftig.

Das Masseringproblem dürfen wir als gelöst betrachten, weil Olli die jetzt selber macht. Das geht mit relativ wenig Aufwand, die erforderlichen 35 Gramm sind damit bestens zu treffen.

Sowohl 136A als auch 124A haben sich beim Aufarbeiten als nicht ganz unproblematisch erwiesen, weil die Schwingspule im Luftspalt des Magneten ziemlich wenig Platz hat und sehr genaues Arbeiten erforderlich ist. Sonst kratzt’s hinterher an irgendeiner Stelle. Einen 124A hatte es diesbezüglich ziemlich erwischt. Den den hatten wir eigentlich schon aufgegeben, mit viel Liebe und Acteon hat Olli ihn hinterher aber wieder hinbekommen.

Auch ich habe beim Verkleben eines Schwingspulenträgers mit der Sicke einen Moment nicht aufgepasst. Schon war eine gewisse Schiefstellung der Spule da. Die macht sich erst bei sehr großen Hüben bemerkbar, aber perfekt ist das nicht. Mal sehen, vielleicht müssen wir da nochmal ran.

Davon ab sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden, insbesondere die Konsistenz über alle Treiber spricht dafür, dass wir ganz gut gearbeitet haben, wie ein paar schnelle Impedanzmesseungen belegten.

Tag zwei brachte neben Restarbeiten die letzten Handgriffe an meinen vier E140, die jetzt endlich so richtig fertig sind, unglaublich gut aussehen und darauf warten, sehr ernste Dinge in einer noch zu diskutierenden Hornanwendung zu tun ;-).

Beim abendlichen Spaziergang mit der Dame des Hauses durfte ich einen imposanten, aber ziemlich unheimlichen Teil Bremer Geschichte kennenlernen, nämlich den U-Boot-Bunker „Valentin“. In der einsetzenden Abenddämmerung kann einem der gewaltige Betonklotz unweit des Weserufers schon ein paar Schauer über den Rücken jagen.

Und sonst? Für Jochens in Kürze zu realisierende JBL 4430 haben wir noch ein Paar Hochtöner selektiert, Pläne für die Verwendung meines Gastgeschenkes in Gestalt eines Pärchens Electro Voice SP8B gemacht, uns über das Preisniveau Bremer Pizza-Lieferdienste aufgeregt (okay, das war hauptsächlich ich), Bier getrunken, ein paar Platten aufgelegt und es uns einfach gut gehen lassen.

Am Ostermontag habe ich mich mit Sack und Pack wieder auf den Heimweg gemacht und mich über ein sehr gelungenes, produktives und ruhiges Wochenende gefreut. Von seinen „zählbaren“ Ergebnissen wird definitiv noch reichlich zu berichten sein.

Fotos? Klar gibt’s noch ein paar mehr als die bereits gezeigten: hier nämlich.

12 Gedanken zu „Zwei Mann, ein Hund, zwölf JBL-Treiber

  1. Jan Andreasen

    moin moin jan hier ich hab ein par 124a jbl vor eine hat harte kanten auf die auserseite gesetzt kan du was tuen und hast du info uber dehn twolfer kanst du helfen ich spreche beser als shreiben

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    1. Jan Andreasen

      moin moin jan hier ich hab ein par 124a jbl vor eine hat harte kanten auf die auserseite gesetzt kan du was tuen und hast du info uber dehn twolfer kanst du helfen ich spreche beser als shreiben Kannst auch anruhfen 0045 5013 1164

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    2. Oliver

      Hello Jan, my name is Oliver. I’ve reconed the 124A with aftermarket parts. You need the cone from the 2204, a JBL 12″ surround for a 240mm cone, the voice coil from the 2225H and a B-Spider. And, of course, the 35g massring. With this you get 124A, which corresponds to the manufacturer’s specifications.

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  2. Olli

    Moin Holger :)Einmal mehr eine toll geschriebene und bebilderte Story. Große Klasse. Wenn’s Wetter mal wieder doof ist und der Corona-Koller droht, werde ich das bestimmt noch drolfmal anschauen.An dem Fostex H-325 Horn werkelt ein JBL 2420 mit Radian 1225 Diaphragmen.LG Olli

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      1. jan andreasen

        kan du skaffe originale repair kit til to 124a eller lave dem nogen har sat stive kanter på og udv. sikke en klovn

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          1. Jan Andreasen

            moin moin hab ein par jbl 124a kannst du den membran austauschen und dabei die originale spule und massering bevaren? jemand hat harte kanten auf die aussenseite gesetzt sogar eine cervinwega kante. so ein arsch. grüsse im bunker jan aus dänemark

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