CL6-Röhrenverstärker

Der extrem preiswerte Single-Ended-Verstärker mit CL6 am Ausgang aus der letzten Klang + Ton (3/2019) erweist sich als echter Renner.
Wegen des nicht völlig trivialen Aufbaus hat Konstrukteur Michael Kaim mich gebeten, ein paar Bilder hochzuladen, die er beim Aufbau des Prototypen geschossen hat.
Das sei hiermit geschehen:


Ein minimal korrigiertes Schaltbild und eine FAQ-Liste reiche ich kurzfristig nach.

[[Update]] Das aktuelle Schaltbild gibt’s hier. Die einzige relevante Änderung zur Version im Heft betrifft die Position von C10, der nunmehr elektrisch hinter dem Widerstand R10 sitzt und mit diesem ein ordnungsgemäßes Tiefpassfilter bildet.[[/Update]]

HiFi anno 2019

Das ist ein Klangverbesserer, den man in die Steckdose steckt. So sieht er aus:


Und so sieht’s von innen aus:


Der Draht ist, was man auf dem Bild nicht gut erkennen kann, NICHT mit irgendetwas leitend verbunden, er hängt elektrisch vollkommen in der Luft.
Ich befürchte, das soll ein Produkt sein, oder zumindest werden.

Manchmal glaube ich, das Metier „HiFi“ hat es nicht besser verdient, als sich selbst abzuschaffen.

Verdammt grün

Gerade beim Aufräumen auf dem NAS gefunden – ein bei meinem letzten Hamburg-Besuch entstandener Smartphone-Schuss:


Das stammt von Dan D’Agostinos jüngsten Monster-Monos. Die sind zwar ganz sicher auch nicht weniger angreifbar als der Air Force Zero aus dem letzten Beitrag, aber die Anzeigeinstrumente, die Dan da in seine Kisten spaxt, die sind schon irgendwie geil. Und ganz, wichtig: Sie sind grün beleuchtet und nicht blau.
A propos D’Agostino: Wie es scheint, hat der Altmeister das Ruder bei Krell wieder in der Hand. Vermutlich keine so schlechte Idee, der Mann kann zumindest Produkte mit Charisma entwickeln. Diesbezüglich haben die Maschinen aus Orange, Connecticut in den Jahren nach Dans Ausscheiden doch ein wenig zu wünschen übriggelassen.

Nullnummer

Seufzer. Großer, schwerer Seufzer. Weil: Er hat’s doch getan. Ich hatte schon vor Jahren Gerüchte gehört, dass TechDAS-Sensei Hideaki Nishikawa an einem richtig dicken Laufwerk oberhalb des nicht eben von Vernunft beseelten Air Force One schraubt und gehofft, dass das Thema irgendwie in der Versenkung verschwunden sei.

Leider nicht.

Unlängst in Tokio auf einem speziellem „Launch Event“ wuchteten die Japaner alle 350 Kilogramm ihres Air Force Zero in den Ring. Was mich in der Tat nicht besonders fröhlich stimmt und in meiner Überzeugung, dass die HiFi-Branche bei ihrer Selbstabschaffung alle Register zieht, weiter bestärkt.


Was er kosten soll? Keine Ahnung. Ich würde so auf eine Viertelmillion tippen, damit fühlt er sich zwischen den Goldmunds und Brakemeiers dieser Welt nicht so mickrig. Ist aber eigentlich auch egal.
Je länger ich in dieser Branche unterwegs bin, desto weniger bin ich in der Lage, mich für solche Ungetüme zu begeistern, und das Ding scheint mir ein ganz besonderer Auswuchs an bodenloser Maß- und Ideenlosigkeit zu sein. Was ich angesichts des wunderbaren Air Force III höchst bedauerlich finde, der nach wie vor bei mir seine Runden drehen darf. Nochmal kurz zum mitschreiben: Dieses ziemlich ultimative Laufwerk mit Luftlager, Vakuumansaugung für die Platte und der Montagemöglichkeit für vier Arme hat vermutlich rund ein Zehntel des Nullers gekostet. Wer soll denn sowas mit fünfstöckigem 118-Kilo-Plattenteller noch ernst nehmen?

Zumindest zu sehen, vielleicht auch zu hören gibt’s den Trumm auf der High End in München. Mach ich Fotos? Klar. Aber nicht mit besonders viel Enthusiasmus.

Abseitiges – in eigener Sache

Ich darf mal kurz ein bisschen Werbung in eigener Sache machen, okay?
Seinerzeit, als ich mich noch richtig darum gekümmert hatte, war mein Gartenblog auch unter den Besuchern dieser Seite hier eine recht beliebte Angelegenheit.
Nun, seit geraumer Zeit tut sich da wieder was in nennenswertem Maße und ich plane, auch weiterhin für frischen Content in Sachen Gemüseanbau, Bienenzucht und Skurrilitäten ausse Kollenie in Bottrop zu sorgen. Wennze kucken willz – hier kannze.

ALE P7550 / WA-4000N

Wie versprochen, haben wir nochmal einen Impedanzschrieb des P7550 gemessen. Solo, ohne Horn. Der ist praktisch deckungsgleich mit dem mit Horn, woraus wir folgern dürfen, dass der Trichter an dem Treiber schlicht nicht funktioniert. Bedauerlich und letztlich der letzte Nagel in Sarg dieses Projektes. Vielen Dank für die Angebote, mit zusätzlicher Hardware auszuhelfen, aber das erscheint mir unter gegebenen Voraussetzungen (knapp drei Monate Zeit) nicht zielführend.

Vielleicht ist es ja eine gute Idee, zumindest die vier (oder zwei) Tieftöner in ein Projekt zu integrieren?
Eine TSP-Parametermessung verschafft Klarheit:

  • fs: 21,3 Hz
  • Qms: 4,07
  • Qes: 0,218
  • Qts: 0,207
  • Cms: 0,794
  • Mms: 70,5 g
  • Re: 13,6 Ohm
  • BL: 24,2
  • Vas: 811 l
  • Sd: 855 cm²
  • Kennschalldruck: 97,6 dB

Das ist ohne Zweifel ein leckerer Tieftöner. Mit einem schön altmodischen Parametersatz mit sehr niedriger Güte, extrem weicher Membranaufhängung, sehr geringer bewegter Masse, einem extrem kräftigen Antrieb und einem daraus resultierenden fürstlichen Äquivalentvolumen.
Die Simulation sagt: irgendwas in der Etwas-über-30-Hertz-Gegend in einem Volumen von 180 Litern. Bassreflexabgestimmt, versteht sich.
Könnte man so machen.
Das ist allerdings schon die Oberkante des sinnvollen Volumens für dieses Schätzchen und diese Bassabstimmung beginnt ihren Sinkflug zu tiefen Freuquenzen hin schon relativ früh. Was zur Folge hat, dass von den siebenundneunzigeinhalb Dezibel Wirkungsgrad im relevanten Bereichnur noch gut 90 übrig bleiben. Womit man schon zwei Treiber pro Seite einsetzen müsste, um eine „richtige“ Box damit zu realisieren – in dieser Hinsicht war das Originalkonzept also durchaus auf dem richtigen Weg.


Also mal eben was mit 360 Litern pro Seite zimmern und ganz scharf nachdenken, was man darüber einsetzen kann? Ich weiß nicht so recht.
Zumal es ja nicht so ist, dass da im Regal nicht das eine oder andere Paar interessanter Tieftöner darauf warten würde, endlich mal eingesetzt zu werden :-D.

ALE P7550 am Taiwan-Horn – Messungen

Okay, Freunde des gepflegten Lautsprecher-Irsinns, hier nun also ein bisschen was Greifbares zum 20-Kilo-Permendur-Klotz samt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Leim gegangenen Taiwan-Horn.

Bei näherer Betrachtung isses ganz so katastrophal eigentlich nicht. Aber so richtig gut funktionieren tut’s auch nicht. Werfen wir einen Blick auf den Schalldruck-Amplitudenverlauf in einem Meter Abstand:

Da geht schon was bei tiefen Frequenzen. Aber nichts, was auf eine segensreiche Wirkung des Horns schließen lässt – sehen wir gleich im Impedanzschrieb. Über zwei Kilohertz ist’s mit der Linearität dahin, was sich aber irgendwie in den Griff bekommen lassen würde. Ich will auch nicht völlig ausschließen, dass die Probleme hier mit der unerfreulichen strukturellen Integrität des Horns zusammen hängen. Ich glaub’s nicht, aber wetten möchte ich darauf nicht. Der Wirkungsgrad liegt realistisch bei 99 Dezibel an 2,83 Volt. Das ist nicht leise, aber für so ein Kaliber eigentlich zu wenig. Was ein weiteres Indiz dafür ist, dass das Horn den Treiber nicht lädt.
Also gut, Impedanzschrieb:

Bei gut 200 Hertz gibt’s eine lupenreine Resonanz. Mit einem richtigen Peak beim Betrag der komplexen Impedanz und einer ausgeprägten Phasendrehung. Das Dumme ist nur, dass das wie die Freiluftresonanz eines Treibers aussieht und nicht wie die Impedanz eines hornbelasteten Systems. Deshalb sieht’s so aus, als würde das große Holzhorn schlicht gar nichts tun.
Klirrverhalten bei 95 Dezibel Schalldruck:

Das ist in Ordnung, aber nicht toll: Unter 500 Hertz steigen die Verzerrungen deutlich an – wiederum sieht es so aus, als ob das Horn nicht laden würde. Mit dem k2-Peak bei 5,5k könnte ich leben.
Klirr bei 105 Dezibel Schalldruck:

Hier verlassen die Dinge langsam den Rahmen des Tolerablen. Gewiss, 105 Dezibel sind nicht leise, bei dieser Kombination werden die aber mit ein paar Watt erreicht, und da darf die Schallabstrahlung noch nicht so zusammenklappen.
Letztlich das Wasserfalldiagramm:

Aufföllig ist der lange Ausschwinger im Bereich dessen, was ich Freiluftresonanz des Treibers nennen würde. Keine Bedämpfung durchs Horn, da wäre so etwas erklärlich. Der Rest des Spektrums schwingt erfreulich schnell aus.

So. Daraus darf nun ein Jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Vielleicht machen wir noch mal einen Impedanzschrieb ohne Horn vor dem Treiber, um die Theorie zu überprüfen, dass das Horn eigentlich nix tut.

Rest in pieces

Das mit der großen ALE-bestückten Box, das wird nix. So leid es mir tut und so gerne ich den Großtaten wenigstens einen würdigen Auftritt verschafft hätte – die technischen Fakten sprechen dagegen. Zuerst haben wir heute mal das Mittelton-Geschütz vermessen:


Die entsprechenden Grafiken vom Messrechner mitzunehmen habe ich natürlich gleich mal vergessen, die liefere ich morgen nach. Fest steht, dass die Horn-/Treiberkombi nicht so recht Freude aufkommen lassen will. Sie ist realistisch einsetzbar zwischen 500 Hertz und zwei Kilohertz. Das Horn scheint den Treiber erstaunlicherweise gar nicht zu laden, daher die relativ hohe untere Grenzfrequenz. Oberhalb von 2k ist’s mit der Linearität des Treibers leider vorbei. Selbst wenn man das geradegebogen bekäme, bleibt der drastisch ansteigende Klirr.

Stellt sich die Frage: Können 2k vielleicht reichen? Kann der Hochtöner vielleicht soweit herunter, dass sich da noch etwas sinnvoll kombinieren lässt?


Schwer zu sagen, zum Messen sind wir leider nicht gekommen, weil der Luxus-Tweeter einen offensichtlichen Wackelkontakt hat und die Impedanz der Schwingspule nur sporadisch stimmt. Sowas wie ein Kontaktierungsproblem des Schwingspulendrahtes ist unter Umständen lösbar, also habe ich beschlossen, den Hochtöner zu öffnen. Mit dem Zentrieren von Hochtönerschwingspulen habe ich jahrelang mein Geld verdient, deshalb mache ich mich vor dem Zusammenbau von sowas nicht bange.
Leider war die Situation nach dem Öffnen deutlich unerfreulicher als angenommen:


Die Membran ist kaputt. Aus dem ultradünnem – ich vermute – Berylliumblech ist schlicht in der Mitte ein Stück herausgebrochen. Da ist mit Bordmitteln nix zu machen.

Bleibt zum Trost, dass wir jetzt alle mal in einen superseltenen ALE-Hochtöner hineingucken durften.

Die Hoffnung, die dazugehörigen Lautsprecher zum Leben zu erwecken, ist damit aber leider gestorben.