Ruhrorter Lichfestspiele

Interessantes tut sich dieser Tage in der HB’schen Männerhöhle. Es sind nämlich zwei Tonabnehmer eingezogen, die die natürlich geglaubte Ordnung der Dinge bei der Plattenabtastung ins Wanken bringen.

Ja, beide Tonabnehmer leuchten, denn sie arbeiten nach dem elektrooptischen Prinzip und nicht, wie fast alle anderen heute üblichen „Rillenkratzer“, mit Spule und Magnet. Der mit der grünen eingebauten LED ist nun auch bei mit nix soo Neues mehr, das ist „das kleine“ DS Audio DS-1E. Neu daran ist, dass man bei so etwas mittlerweile nicht mehr auf die hauseigenen Entzerrer angewiesen ist, der Hersteller hat nämlich die Spezifikationen für die artgerechte Aufbereitung der Signale aus so einem „Positionswandler“ offengelegt. Und das hat mein Freund Bernd spitz gekriegt und ist gleich mal zur Tat geschritten. Das Resultat ist das, was auf dem unteren der beiden Fotos rechts steht und sich mit vielen roten LEDs und zwei Röhren die Seele aus dem Leib spielt.

Gerade passend dazu bekam ich das brandneue DS Audio-Topmodell „zum Spielen“, das *hüstel* 55000 Euro teure „Grand Master“. Das System besteht aus dem bernsteinfarben beleuchteten Tonabnehmer (oben), dem dazu passenden Entzerrer (das obere Zylonenraumschiff auf dem unteren Bild) und das dazu passende Netzteil (darunter). Ich bin in beiden Fällen ziemlich fassungslos, was das so aus der Rille einer Schallplatte zu extrahieren in der Lage ist.

Ubangi

Normalerweise mach ich sowas ja nicht, aber in diesem Falle musste ich mir einfach mal ein paar Bilder aus Jonathan Weiss‘ Facebook-Timeline ausleihen. Der Chef von Oswalds Mill Audio hat nämlich einen Schatz gehoben, der in der heutigen Zeit ziemlich einzigartig sein dürfte: Ein komplettes Beschallungssystem aus einem Kino in Ohio von 1941.

Das ist ein RCA MI 9462 (auch „Ubangi“ genannt), komplett unverbastelt un in bestem Zustand. Mann, Mann – soviel Dusel muss man erstmal haben.

Wie es aussieht, haben die Herren das Zeug dann gleich mal in die legendäre hauseigene Mühle verbracht und haben gerade viel Spaß damit.

Nachdem ich über die Jahre ja durchaus ein bisschen Western Electric-Erfahrung gesammelt habe – sowas fehlt noch in meiner Sammlung von erstrebenswerten Erlebnissen.

Für zum Kucken

Es geistert sein Monaten durch die HiFi-Social-Media-Szene: jenes wunderbare Buch (falls man das bei 58 Seiten sagen kann) namens „Gateway to Jazz Kissa Vol. 1“.

Das ist Szene-Journalismus, für den ich auch gerne die nötige(n) Freiheitsgrade und Muße hätte. Eine sehr schön in erdigen Pentax-Farben fotografierte und liebevoll geschriebene Abhandlung über die japanische Jazz-Café-Szene. Der Urheber ist der japanische Autor Katsumasa Kusunose. Das in kleiner Auflage produzierte Druckwerk gibt’s nunmehr auch in englischer Sprache.

Besonders anrührend ist die Geschichte über das „Jazz Time Johnny“, das beim großen Erdbeben von 2011 (bei uns eher als Fukushima-Katastrophe bekannt) vom Tsunami dem Erdboden gleichgemacht wurde und mit der Unterstützung von Stammgästen wieder aufgebaut wurde.

Bestellen kann man das gute Stück nur in Japan, was sich als völlig unproblematisch herausgestellt hat und bei mir in zehn Tagen erledigt war.

Hier kann man’s kaufen.

Erstmal auseinandernehmen

Es steht ein Lautsprecherprojekt an, für das es – ich weiß, das mag jetzt überraschend kommen – zwei JBL-Fünfzehner braucht. Ich habe mich für den guten alten 136A entschieden, eine noch etwas extremere Variante dessen, was in meiner 4355 werkelt, und außerdem mit AlNiCo-Antrieb. Der 136A war übrigens die Ur-Bestückung der legendären JBL L300, der Heimversion des Studiomonitors 4333.

Der Eine oder andere wird sich erinnern – ich hatte da mal einen sehr günstigen JBL K130 erstanden, dessen Antrieb mit dem des 136A identisch ist und der deshalb danach schreit, in einen solchen transformiert zu werden. Heute war er dran, die alten Membran samt feststeckender Schwingspule musste weichen:

Die Schwingspule sah eigentlich gar nicht so schlimm aus. Okay, ein bisschen „gekocht“, aber eigentlich fällt nichts auf, was die ziemlich gründliche Blockade im Luftspalt würde erklären können:

In einem sehr erfreulichen Zustand befindet sich das Magnetsystem, zumindest rein optisch. Erst mal möglichen groben Dreck per Staubsauger enfernt, aber viel war da nicht:

Die obligatorische Reinigung des Luftspaltes mit Klebeband förderte auch keine größeren Probleme ans Tageslicht:

Anschließend ein kleiner Check mit meinem neuen Spielzeug, einem ziemlich günstigen Teslameter, das bislang ziemlich plausible und reproduzierbare Werte in diversen Luftspalten ermittelt hat:

Um festzustellen, ob ein Antrieb der Aufmagnetisierung bedarf oder nicht scheint das „Schätzeisen“ durchaus geeignet. Der D130-Magnet sollte eigentlich 1,2 Tesla haben, das hier ist also ein bisschen knapp und sollte mal nachbehandelt werden.

Also: Luftspalt vor dem Eindringen von Ungemach schützen, Messwert dranschreiben und (nicht im Bild) Korb abschrauben.

Jetzt gucken wir mal, was der Fundus für den zweiten Antrieb parat hält, dann gehen die Antriebe auf die Reise zum Fachmann mit der Magnetisiermaschine.

Nicht mehr ganz so neue News

Diese Meldung bin ich tatsächlich seit Juli letzten Jahres schuldig – ich bitte um Nachsicht. Jetzt aber. Im letzten Juli nämlich machte mich Klaus Böning aus Dresden darauf aufmerksam, dass es auf seiner Seite wieder mal etwas Neues gäbe, unter Anderem einen komplett dokumentierten Entwurf zu einer Phonovorstufe namens Memphis MC1.

Klaus Bönings „Memphis MC1“

Dazu muss man wissen, dass ich schon buchstäblich seit Jahrzehnten immer mal auf die Phono-Entwürfe dieses Mannes starre, weil sie offensichtlich mit viel Sachkenntnis, Sorgfalt und guten Ideen realisiert worden sind und an vielen Stellen ein erfreuliches Maß an Eigenständigkeit zeigen. Dieser hier ist ganz sicher einer, mit dessen Nachbau sicher versierte Löt-Analogi mal beschäftigen sollte.

Keinesfalls weniger beachtenswert sind der luxuriös aufbereitete Entwurf des Class-A-Hybrid-Endverstärkers Nashville SE 20 und der des interessanten Röhren-Symmetrierers.

Für zwischendurch

Kleine Operation an einem der frühen 805-Vollverstärker von Thivan Labs – ich hab‘ in der „LP“ ja schon von dem Gerät erzählt. Der hier hat jetzt einen deutlich größeren Heiztrafo bekommen, was ihn deutlich störgeräuschärmer machen soll.

Hat wunderbar funktioniert und der Erfolg der Maßnahme war ohrenfällig.

Die Tücke lag eher im Wesen der Sache: Das 55-Kilo-Monster in die obere Etage in meine „Werkstatt“ zu schleppen war ohne Hilfe praktisch unmöglich, also musste ein bisschen Werkstatt kurzfristig nach unten umziehen.

Und bevor jetzt jemand nervös wird: Nein, bei den derzeit im Handel befindlichen Geräten war / ist der Umbau nicht erforderlich, die haben den dicken Heiztrafo ab Werk.