Der Röhrenschmied

Erstaunlich, was sich so alles in meiner Nachbarschaft tummelt. Wie schon öfter, muss ich nur mal kurz die Rheinseite wechseln, und schon gibt’s überaus spannende Leute zu besuchen

Heute ging’s nach Krefeld, wo Andreas Klug im Keller seines Einfamilienhauses seine bekannte Röhrenschmiede betreibt. Zumindest LP-Lesern dürften die hübschen und angenehm bodenständigen Verstärkerkreationen des Konstrukteurs bekannt vorkommen, die drei aktuellen Modelle hatten wir nämlich alle schon zu Gast.

Und dann gibt’s da noch die Prototypen zweier ziemlich ernster 6S33-Monos, die schon eine Zeitlang bei mir daheim (klick) und auf diversen Szenetreffen im letzten Herbst zu Gast waren. Schön stramme 100-Watt-Gegentakter – was man einfach braucht, wenn der kleine Single-Ended-Amp mal nicht genug Puste hat.

Die Konzeption dieser Monos geht nun in die heiße Phase und Andreas hat sich für einen ziemlich leckeren Aufbau mit frei verdrahteten Lötstützpunkten entschieden:

Keine Sorge, die Kühlkörperlösung, die da mittig herausragt bleibt natürlich nicht so, möglicherweise wird’s auch letztlich etwas mehr Gehäuse geben als ein Stück Spanplatte ;-). Das mit den in eine Platine eingelöteten Stützen, das finde ich klasse.

Im akustisch gut präparierten Hörkeller durfte ich dann auch eine paar Eindrücke davon sammeln, wie Andreas Musik zu hören pflegt. Die Hauptarbeit übernimmt dabei ein Paar guter alter Klipsch La Scalas. Als bekennender Fan tieftonalen Fundaments sorgt Andreas mit schwerem Doppel-18″-Geschütz aus JBLs Profiabteilung (4642A) für den nötigen Unterbau. Selbstredend mit dem einen oder anderen (garantiert nicht röhrenbestückten) Kilowatt Antrieb. Und dann gibt’s da noch – ich glaube fünf – Klipsch Heresys, die die per digitalem Teufelswerk erzeugten künstlichen Rauminformationen wiedergeben. Zumindest dann, wenn der Zuspieler stereofon (gerne analog) ist.

Die La Scalas und die 6S33-Monos mögen sich übrigens. Das ist genau die Sorte von Verstärker, die den Hörnern zu soviel Fundament verhelfen, dass es den Sub eigentlich nicht unbedingt braucht. Obwohl er schon ziemlich großartig ist und diesen unverwechselbar gnadenlosen JBL-Tieftonsound mit ins Spiel bringt, ohne den man ja eigentlich überhaupt nicht Musik hören kann ;-).

Davon ab ist Andreas bekennender Fan von Musik auf Bluray. Damit machen die zahlreichen Lautsprecher auch Sinn, fürs formatmäßig adäquate Bild sorgen Beamer und Leinwand.

Hier sehen wir übrigens gerade den späten John Lord bei der Arbeit, wie er mit diversen Mitstreitern in irgendeinem echt kleinen Laden auf unnachahmliche Art und Weise seine Hammond zu Höchstleistungen treibt. Sehr spannend, das Ganze.

Und sonst? Wenn Andreas sich nicht gerade mit seiner Anlage fönt oder Röhrenamps baut, dann restauriert er alte Flipper und Musikboxen. Letztere tragen übrigens die Schuld an seinem nachhaltigen Interesse an und seiner Kenne von Röhrenverstärkern.

Vielen Dank Andreas, es war sehr angenehm bei dir und der Kaffee schmeckt :-). Ich weiß jetzt, wo dein Haus wohnt und komme bestimmt wieder – spätestens dann, wenn’s die ersten Seriengeräte der 6S33-Monos zu bestaunen gibt.

5 Gedanken zu „Der Röhrenschmied

  1. Mathias

    Moin Holger,hast du zufällig eine Ahnung was für Platinen das sind die Andreas da verbaut? Ich habe gestern mal nach sowas gesucht fürchte aber das dies evtl. nichts ist was es so zu kaufen gibt … wenn aber doch dann fände ich genauso sowas schick.Danke und Gruß,Mathias

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  2. Raimund Retzel

    Mit den 21″ 9600 (nicht 9601) von 18 Sound kriegst mit (etwas) weniger Gehäuse nen noch besseren (brauch aber kein Mensch) Bass hin. Glaubs mir, wir hams getestet. Aber sehr sehr schöne Sound Installation, bitte mehr von sowas.

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  3. Andreas Seeger

    Klasse Bericht, danke Holger. Du bist ja hornsound trainiert, wie würdest du den Unterschied der Doppel-18er zu einem Basshorn beschreiben? Mehr kickbass? Nennen wir es mal das Gurren einer Bassguotar? Oder anders? Grüße Andreas

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    1. hb Beitragsautor
      Hi Andreas,
      das ist nicht vergleichbar.Schon deshalb nicht, weil die JBLs mindestens eine Oktave tiefer gehen als die La Scalas, wenn nicht mehr. Der Witz an „echtem“ Basshornsound ist nicht der „Tritt“ und der“Kick“, sondern die lockere Selbstverständlichkeit. Die gibt’s aber selten, weil man dafür eine ziemlich niedrige untere Grenzfrequenz braucht und damit riesige Kisten.
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