Dimethylketon

Ich weiß ja nicht, was Sie üblicherweise so zwischen Weihnachten und Silvester machen, ich jedenfalls hab in diesem Jahr mal reichlich mit Aceton gepanscht. Muss ja auch mal sein

Schuld daran sind diese vier Pappkameraden in eher problematischem Zustand, die zu restaurieren Olli und ich schon vor längerer Zeit beschlossen hatten:

Also reisten Mann, Hund und Material für ein Wochenende der etwas anderen Art aus Bremen an und wir begannen zielstrebig, die Kellerwerkstatt im Brieden-Verlag mit ziemlich mühevoll aus jahzehntealten Druckgusskörpen gepulten Membranresten zu verzieren.

Natürlich sind das JBLs – was haben Sie denn gedacht? Genauer gesagt wieder einmal E140, die ich im Laufe der letzten ein, zwei Jahre zusammengetragen habe. Und dieses Mal sollen’s auch wieder E140 werden und keine „Fast-2235H“, wie damals die für meine 4355. Was der Mann jetzt schon wieder mit vier Fünfzehnzöllern will? Das übernächste Lautsprecherprojekt fürs heimische Wohnzimmer realisieren. Aber das wird noch dauern und ist noch nicht spruchreif.

Natürlich immer mitten im Geschehen: Tessa, der robusteste und besterzogene Hund, der mir je untergekommen ist. „Körbe schälen“ ist in jeder Hinsicht eine Drecksmaloche, aber ohne dem geht’s halt nicht. Und wie ich ja schon leidvoll lernen durfte, macht das lange nicht jeder Fachbetrieb mit der gewünschten Sorgfalt. Ergo: Selber machen.

Nach dem wir auch den total verrosteten Kameraden wieder in einen vorzeigbaren Zustand gebracht hatten, hoffentlich sämtlichen Dreck aus sämtlichen Luftspalten gepult und das Eindringen neuerlichen Ungemachs verhindert hatten, war der Freitag durch. Teil zwei der Operation – das eigentliche Reconing, sollte am Samstag im häuslichen Umfeld stattfinden.

Von den roten Stoffabdeckungen auf der Polkernbohrung sieht man hinterher nichts mehr – keine Sorge. So richtig adäquate Gitter hatten wir gerade nicht griffbereit. Dürfte aber egal sein, da die Schätzkes bei mir ja nicht im härteren PA-Betrieb laufen sollen. Also: Nach Ermittlung der korrekten Einbauhöhe der Schwingspule (damit sie in der Ruhelage mittig im Magnetfeld steht) werden erst einmal Zentrierspinne und Schwingspulenträger zusammengesteckt, ausgerichtet und miteinander verklebt. Danach wird die vormontierte Einheit über die zuvor in den Luftspalt gesteckten Zentrierhilfen in den Luftspalt geschoben und sitzen somit (hoffentlich) hinreichend genau zentriert dort, wo sie hinsollen. Anschließend wird der Rand der Zentrierspinne mit dem Korb verklebt. Nächster Schritt: Das gründliche Verkleben von Schwingspulenträger, Zentrierspinne und Membranhals:

Die Membran wird nämlich als nächstes eingesetzt, was sich eigentlich ziemlich unproblematisch gestaltet:

Wenn der Kleber in der Mitte angezogen hat, werden Membran- und Korbrand miteinander verklebt. Dann dürfen die Zentrierhilfen raus und man darf mit Angstschweiß auf der Stirn checken, ob die Operation gelungen ist und sich die Membran ohne „Feindberührung“ im Luftpalt bewegen lässt – und zwar auch dann, wenn man nur auf einer Seite auf den Konus drückt. Hat bei uns bei allen vier Treibern bestens hingehauen, deswegen konnten wir jetzt die Sicken beschichten:

Bis jetzt sind wir mit der Ergebnis extrem zufrieden, die Treiber sehen aus wie frisch aus dem Regal. Was noch fehlt ist das Verkleben der Anschlusslitzen und die Dustcaps – ganz einfach deshalb, weil ich die gewünschten noch nicht habe: Eigentlich gehört auf einen E140 eine silberne Alu-Dustcap, aber die will ich nicht. Bei mir sollen die Treiber als Bass laufen und müssen keine künstlichen Obertöne per klirrendem Blechdeckel erzeugen. Außerdem finde ich dezente schwarze Pappe an dieser Stelle erheblich hübscher als Alu.

Abends kam dann noch Zeppi vorbei um unser Tagwerk zu begutachten und beim Biertrinken zu helfen:

Das Beschallungs-Setup war etwas anders und kleiner als sonst, hat aber hervorragend funktioniert:

Da spielt der neue Rega Planar 10 mit Tonabnehmer Apheta 3 an einer Phonovorstufe Rega Aura, die den großartigen Eintakter Thivan Labs 811 Anniversary speist. Töne macht ein Dreiwegerich, den ich mal fürs ETF 2016 und Frickelfest 2017 gebaut hatte, mit Focal 10C01 im standesgemäßen Mini-Onken-Gehäuse, Phenolharz-JBL 2470 an einem 808-Horn von Markus Klug, garniert mit einem Alnico-2405. Sehr lecker und leider praktisch nicht nachbaubar.

Das war eine sehr großartige Veranstaltung und Zeppi dürfte der entscheidenden Erkenntnis in Sachen Musikhören ein großes Stück näher gekommen sein: So richtig geht’s halt nur mit (einigermaßen) großen Pappen und Hörnern :-).

4 Gedanken zu „Dimethylketon

  1. hoschibill

    Moinsen :)Das fällt ganz klar in die Rubrik „’ne gute Zeit haben“. Ich hab‘ die Zeit sehr genossen und es hat mal wieder Laune gemacht, JBL Fuffzehner zu reanimieren. Freue mich schon auf das Endergebnis (nein, darf ich noch nicht verraten). Und, obwohl ich eigentlich auf der Dicken bestehe, war die Abendbeschallung großes Kino. Einmal mehr hat sich bestätigt: vernünftige Lautsprecher haben mindestens ein Horn :D.Gruß Olli

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    1. Lampos Ferekidis

      Lieber Holger,wenn Du noch „Pappdeckel“ (Dustcaps) für Deine 15-Zöller benötigst, ruf an oder komm vorbei. Wir sollten was liegen haben. GrußLampos

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