Baikal-Rakete, zweite Stufe

Großartiger Abtaster. Je länger ich damit höre, desto mehr Spaß macht er. Er (eine Typenbezeichnung habe ich nicht / gibt’s vermutlich auch (noch) nicht) ist auch kein ganz gewöhnlicher Vetreter seiner Zunft, was man auf den Bildern schon erahnen kann. Vermutlich wird der im sibirischen Angarsk ansässige Konstrukteur mal den einen oder anderen Blick auf die Webseite von Herren Miyajima geworfen haben, denn der baut Abtaster nach einem ganz ähnlichen Prinzip. Das Topmodell Shilabe hat Kollege Schmidt in der aktuellen Ausgabe der „LP“ auf den Sockel schlechthin gestellt, und ich wollte ihm das japanische Wunderwerk eigentlich auch gar nicht abtreten, hatte ich damit beim letzten Frickelfest in einem Artemis Labs-Arm (designed by Frank Schröder) doch schon ziemlich sensationelle Töne vernommen.

Der Trick an der Bauweise besteht im Fehlen des üblichen Spanndrahtes; der Nadelträger wird ausschließlich vom Dämpfergummi geführt, der nicht, wie üblich, hinter dem Spulenträger sitzt, sondern davor (der grüne Ring vor dem Spulenkreuz auf dem Bild). Sehr schön erkennt man das auch bei einem Prototypen der Baikal-Rakete:Das hintere Ende des Nadelträgers wird gegen den Magneten (der Würfel beim Prototypen – pures Neodym ND52, das heftigste Zeug, das man kaufen kann) gepresst, Freiheitsgrade an dieser Stelle sind nicht erwünscht. Der heftige Einsatz von Magnetfeldstärke bedingt, dass man mit diesem Abtaster sehr vorsichtig umgehen muss – auf in der Nähe befindliche Stahl- und Eisenteile übt der Tonabnehmer eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Nadelschliff, Nadelnachgiebigkeit, empfohlener Abschluss – weiß ich noch nicht. Ab 20 mN Auflagekraft bekomme ich praxisgerechtes Abtastverhalten, mit Abschlussimpedanzen habe ich gerade nix am Hut, weil als Phonovorstufe Joachim Gerhards fantastischer Transimpedanz-Prototyp dranhängt.
Falls dem Einen oder anderen das Anschlussfeld des Tonabnehmers irgendwie bekannt vorkommt – das könnte sein: Es sieht nicht nur aus wie, es ist auch der aus einem Denon DL-103 ausgeschlachtete Hintern.

Wie’s klingt und was man auf keinen Fall tun darf, erzähle ich in Kürze. Und wenn der Mann, der das Ding nach Deutschland geholt hat mich lässt, gibt’s auch den einen oder anderen Link nach Sibirien.

Ein Gedanke zu „Baikal-Rakete, zweite Stufe

  1. Martin

    … auf einen Bericht, wie wir zukünftig unsere Tonabnehmer selber bauen, in der „Klang und Ton“ wir freuen uns.
    Wirklich!

    Antworten

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