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Eingetrichtert

Neues Mittelhochtonhorn von Oswalds Mill Audio. Ich hoffe, Jonathan sieht’s mir nach, wenn ich mir seine Bilder für diese Meldung ausleihe. Konische Hörner sind eine ja eine Spezialität dieser Audio-Extremisten und Gerüchten zur Folge soll das gut funktionieren. Dieser zusammengedrückte Bronzetrichter jedenfalls drückt diverse Selbstbauknöpfe bei mir – mal sehen, was mir da einfällt.

Von wegen Oswalds Mill Audio: Wer den Laden noch nicht kennt, dem sei dringend empfohlen, diesbezüglich Abhilfe zu schaffen. Nicht, dass man deren Produkte irgendwie bezahlen könnte, aber ich muss zugeben, dass da mehr Inspiration und Konsequenz drinsteckt als bei 98 Prozent allen anderen High-End-Zeugs.

Guckst du dieses Video, außerdem dieses Feature und natürlich die Bilder unter Inspiration auf der Hersteller-Webseite. Großartiger Stoff.

Leicht gebräunt

Braun Audio

Doch, ich versuch’s. Ganz ehrlich. Aber: Ich habe natürlich Schwierigkeiten damit, die seit langer Zeit zu befürchtende Reanimation des Labels „Braun“ mit der vielleicht gebotenen Professionalität zu bejubeln. Gibt’s jetzt aber. Echt gezz.

Zumindest demnächst, zu bestaunen auf der IFA zu Berlin Anfang September. Markeninhaber Procter & Gamble schiebt die Lifestyle-Audiomarke „Pure“ vor, um die neuen Produkte unter „Braun Audio“ zu vermarkten.

Bei diesen Produkten handelt es sich – richtig: um Lautsprecher. Mit den Dieter Rams-Entwürfen aus den Fünfzigern haben sie gemeinsam, dass sie viereckig sind.

Hurra!

Ja, ich gebe Ihnen Recht – ich muss unbedingt an meiner Einstellung zu den Neuerungen des Unterhaltungseletronikmarktes arbeiten und verdammt nochmal wieder irgendwas richtig geil finden, das nicht abgeknalltes High-End-Gedöns ist…

Was wurde eigentlich aus Devialet?

Im Zuge der aufkeimenden Nachhaltigkeitsdiskussion und diesem interessanten Boombox-Zerstörungsvideo stellt sich mir die Frage: Was wurde eigentlich aus Devialet?

Wir erinnern uns: Da gab’s mal ein hochambitioniertes (ich glaube) französisches Unternehmen, dass mit viel Geld (ich meine mich an EU-Fördermittel erinnern zu können) versucht hat, High-End-HiFi in ein neues, glorreiches Zeitalter zu führen.

Und jetzt? Alles unter den Teppich gekehrt. Es gibt erschütternd teure Gettoblaster im Direktvertrieb. Tatsächlich weiß ich nicht, was das zu heißen hat. Was genau passiert denn mit den hochkomplexen Designerstücken für fünfstelliges Geld, die noch vor ein paar Jahren landauf, landab über den grünen Klee gelobt wurden, wenn mal was dran ist? Gibt’s nen Service? Auf der Webseite des letzten Deutschlandvertriebs jedenfalls taucht das Produkt mit keinem Wort mehr auf. Wozu auch – die zwei Jahre Garantie dürften ja um sein…

Im Ernst – weiß jemand was dazu? Mein Draht in diese Ecke ist nicht so gut, dass ich einfach mal jemanden fragen könnte, der sich damit auskennen sollte.

Wenn man so könnte wie man wollte

Vollaktives Fünfwege-Hornsystem mit Goto-Bestückung

Jeder, der intensiver mit dem HiFi-Virus infiziert ist, hat so etwas: die Vorstellung eines Systems, das man realisieren würde, wenn man so könnte wie man wollte. Die allermeisten von uns können nicht: kein Platz, kein Kleingeld, keine Erlaubnis von der Regierung. Selten, ganz selten taucht mal Einer auf, der’s geschafft und seinen Traum realisiert bekommen hat: Klaus S. ist einer der Glücklichen. Er wohnt in einem kleinen Dorf mitten in den Hügeln des Oberbergischen Landes, was – völlig richtig – nicht weit vom neuen Austragungsort des Frickelfests entfernt ist – genauer gesagt, gerade mal fünf Autominuten. Und Mitfrickler Dietmar – selbst in der Szene bestens bekannt als Betreiber eines großen Hornsystems – der kennt Klaus und hat ihn gefragt, ob wir im ganz kleinen Kreis während des Frickelfests nicht mal kurz bei ihm vorbeischauen dürfen. Wir durften – meinen herzlichen Dank an Dietmar fürs Einstielen und an Klaus für die Gastfreundschaft.

Was Klaus da im geräumigen, von außen per großzügiger Treppe zugänglichen Dachgeschoss seines Hauses realisiert hat, das sucht Seinesgleichen – und es dürfte sehr lange suchen. Auf geschätzten 200 Quadratmetern Fläche hat Klaus nämlich Dinge installiert, die die Allermeisten von uns im Leben nicht mal zu Gesicht oder zu Gehör bekommen, geschweige denn besitzen und betreiben können.

Die Überlegungen, die zur Realisation dieses Wahnwitzes geführt haben, sind für einschlägig Vorbelastete völlig ohne Probleme nachzuvollziehen: Wenn man’s ernst meint, dann gehen in letzter Konsequenz nur gerade (also nicht gefaltete) Hörner, angetrieben mit passenden Druckkammertreibern. Und nach oben hin wir die Luft da dünn: Während der Pöbel sich mit JBL, TAD oder ähnlichem Großserientrödel abgeben muss, setzen die richtigen Fans auf winzige japanische Manufakturen wie Goto (oder ALE – wir berichteten, aber die gibt’s ja nicht mehr). Und wenn man’s mit dem Abstrahlverhalten einigermaßen ernst meint, dann läuft’s auf ein mindestens vierwegiges System hinaus.

Klaus meint’s ernst – und fährt mittlerweile fünf Wege. Das mit den Druckkammertreibern hat er ebenfalls zunächst konsequent bis in den Bassbereich hinunter durchgezogen, aber dem Vernehmen nach war er mit dem Ergebnis nicht gänzlich zufrieden – in erster Linie deshalb, weil der Basstreiber in Sachen Pegel zu schnell am Ende war. Mittlerweile befeuert Klaus seine Basshörner mit (ich glaube) 15 Zoll großen Basschassis konventioneller Bauart – sofern man das bei einem Goto-Erzeugnis überhaupt so nennen kann.

Auch interessant: Fürs obere Ende des Frequenzbereiches sind mittlerweile zwei parallel angesteuerte und nebeneinander angeordnete Treiber zuständig. Das scheint erst mal keine so gute Idee zu sein, aber bei genügendem Hörabstand (der hier eindeutig gegeben ist) funktioniert auch die Addition der Schallanteile beider Treiber.

Die großen Hörner sind eigentlich ziemlich pragmatische MDF-Konstruktionen, die aus Einzelsegmenten unter Zuhilfenahme von reichlich PU-Kleber entstanden sind. Die (mittlerweile, sie waren mal länger) 2,40 m langen Basshörner verlaufen konisch, alles andere öffnet sich schneller.

Bemerkenswert finde ich Klaus‘ Wahl der ansteuernden Verstärker: Er setzt ausschließlich auf Hitachi-Endstufen (HMA-7500) aus den frühen Achtzigern, überhaupt die ersten Verstärker, die mit den damals brandneuen MosFet-Transistoren ausgestattet waren. Für Nerds: 2SK134 und 2SJ49, natürlich seit etlichen Jahren obsolet, Preistendenz am Second-Hand-Markt: stark steigend. Die stammten ebenfalls von Hitachi, die Verstärker waren in erster Linie als „Promo-Vehikel“ für die Halbleiter gedacht. Was auch ziemlich gut funktioniert hat.

Eine Aktivweiche für so ein Setup kauft man natürlich nicht so mal eben von der Stange, sondern man lässt sich sowas bauen – technische Details habe ich gerade nicht, aber es ist das Gerät ganz links im Bild.

Wer in Sachen Quellen nun einen Turm von sündteueren Exoten erwartet, der irrt: Klaus spielt mittlerweile praktisch ausschließlich vom Rechner, einem eher unspektakulären Windows-PC. Einen CD-Player gibt’s auch noch, Analoges gar nicht. Auch musikalisch bevorzugt Klaus Bodenständiges, so dass wir unseren klanglichen Eindrücke ohne die üblichen Jazz-Klassiker sammeln durften – tut auch mal ganz gut.

Also: Platz auf dem Hörsofa nehmen, ehrfürchtig in die Mündungen der gewaltigen Schallgeschütze starren und darauf warten, gleich den Schalldrucktod zu sterben – oder?

Oder. Klaus‘ System ist in Sachen Sound das genaue Gegenteil einer PA. Seine Stärken liegen in der extremen Selbstverständlichkeit, mit dem es Musik reproduziert. Egal, was da gerade spielt, es ist einfach so „da“. Mit absolut schulterzuckender Routine. Da muss man nicht über Tonalität (ohnehin einstellbar) und Dynamik diskutieren. Klar hat Klaus auch mal Krach gemacht. Und natürlich kann der Aufbau das – aber anders, als man es vermuten würde: Der Eindruck von Lautheit stellt sich einfach nicht ein, weil’s so konkurrenzlos locker ist.

Ich gebe zu: Das kann man so wollen und freue mich über die Gelegenheit, sowas mal erlebt haben zu dürfen. Ein paar Bilder mehr gibt’s hier – der Besuch hat nur gut eine Stunde gedauert, deshalb sind’s so viele nicht.

Frickelfest 2019

Wassn Glück – die großartigste Audioveranstaltung auf dem dritten Planeten des Sonnensystems ist zurück: Das Frickelfest hat seine neue Heimat gefunden.

Und das hätte durchaus schiefgehen können: Nach dem etwas unerfreulichen Ende unseres Engagements im Kloster zu Hedersleben (Sachsen Anhalt) fand sich trotz ziemlich intensiver Bemühungen keine Lokalität, die das 2018er Frickelfest einigermaßen adäquat hätte beherbergen können oder wollen. Ergo: 2018 war Pause.

Im Herbst 2018 dann ein Hoffnungsschimmer: im Oberbergischen Land – das ist der Uneingeweihten kaum bekannte und nur geländegängig ausgerüsteten Menschen zugängliche Teil des Rheinlandes – fand sich mitten im Wald, richtig, abermals ein altes Kloster. Es heißt „Kloster Ommerborn“, wurde erst 1922 erbaut und befindet sich seit Kurzem im Besitz einer holländischen Familie, die das gute Stück renoviert hat und als Event-Location vermietet. Sogar an so komische Leute wie das frickelwütige Volk :-).

90 Leute waren’s, die sich am verlängerten Fronleichnamswochenende (Mittwoch bis Montag) in den nicht mehr ganz so heiligen Hallen einfanden und, dem allgemein sehr positiven Echo nach zu urteilen, überhaupt keine Probleme hatten, sich die neuen Räumlichkeiten untertan zu machen. Insgesamt verteilen wir uns auf fünf Etagen, was logistisch nicht gänzlich ohne Herausforderungen ist, letztlich aber prima funktioniert hat. Zu einer Handvoll ziemlich großer bespielbarer Räume gesellen sich so knapp zehn größere Gästezimmer, die sich ebenfalls als „Spielzimmer “ bewährt haben. Die Verpflegung haben wir in die Hände eines lokalen Caterers gelegt (sehr empfehlenswert: Peffer un Salz) – das hat ausgezeichnet funktioniert. Genau so wie das mit den Getränken auf Kommission von ortsansässigen Bierdealer.

Das interessiert Sie alles mal so gar nicht, sie wollen Geschichten über den angeschleppten Kram hören? Da gehört – wieder einmal – unser Johannes aus Hamburg in die erste Reihe, der immer mit Dingen kommt, die so ganz anders sind als das, was die anderen so machen. Wie zum Beispiel ein Paar ziemlich großer und grüner Lautsprecher, dessen Einzelteile mit viel Zeit- und Materialeinsatz einem 3D-Drucker entsprungen sind.

Satte 14 Kilogramm PLA hat der Mann verdruckt, um die Einzelteile seines zweiwegigen Rundumstrahlers zuwege zu bringen, die er vor Ort mit Aceton zusammengeklebt hat. Die Filterentwicklung wurde ebenfalls „on the fly“ per MiniDSP erledigt, der Subwoofer ist von der ausgeliehenen Sorte. Hat ausgezeichnet funktioniert, wenn ich das mal so sagen darf.

Das war nicht die einzige beachtenswerte Installation in der alten Klosterkirche – da wäre zum Beispiel noch Ralfs Schneckenhorn, ganz im Geiste der alten Western-Electric-Klassiker realisiert. Wo Hörner sind, da sind Röhrenverstärker meist nicht weit, und so war’s auch. Besonders extrovertierte Exemplare haben unsere beiden „Neufrickler“ aus Luxemburg mitgebracht, wie zum Beispiel diese Prachtstücke:

Zur Realisation dieser Preziosen gab’s dann auch gleich einen Vortrag – lobenswert.

Das Frickelfest ist traditionell keine reine „Show-and-tell“-Veranstaltung, viele Dinge entstehen erst am Ort des Geschehens, und das genau ist auch der Sinn der Sache. Diese Herren hier zum Beispiel haben durchaus nennenswerte Mengen von Lötzinn geschmolzen:

Ich selbst bin mit wenig Selbstgebautem, dafür aber mit einem Paar originaler Klipschorns angereist, die, das muss man der Fairness halber sagen, trotz großzügiger Raumverhältnisse und feinsäuberlicher Einpassung in die Raumecken ziemlich unterirdisch gespielt haben – kann passieren.

Der Kenner erspäht auf dem Panoramaschuss natürlich sofort das Paar JBL LE-14A halb rechts, das unbedingt mit mir nach Hause fahren wollte und seit ein paar Wochen damit beschäftigt ist, seine neuen Sicken weichgeknetet zu bekommen. Da kommt noch was – garantiert.

Ebenfalls auf dem Foto zu sehen: Cheap Trick 290, einer der besten Lautsprecherentwicklungen, die wir bei der Klang + Ton in den letzten Jahren hinbekommen haben. Zwei andere Boxenpaare, die in die gleiche Kategorie fallen, waren ebenfalls da und machten überaus viel Laune: die Celeste – natürlich an dem großartigen CL6-Verstärker von Michael Kaim und die als „Klein-Phi“ (zuwenig) bekannt gewordene 81/18, die völlig zu Unrecht nie die Anerkennung bekommen hat, die sie verdient gehabt hätte: Zwei knochenharte Monacor-Zehnzöller und ein Riegel aus acht Visaton FRS 5 X – das prügelt wie die Hölle.

Und dann war da natürlich noch die Truppe um Falk und Uwe, die das Frickelfest ja schon seit vielen Jahren mit erfahrungsgemäß großartigem Sound und einer fein vorbereiteten Choreografie veredeln: In diesem Jahr gab’s die aktuelle Version des Dreiwege-Hornböllers „Okolyt“ – fragen Sie mich nicht, was genau da gerade ans Altec-Mittelhochtonhorn geflanscht ist und welcher Fünfzeher in den von Hornkönner Wolfgang Nickl konzipierten Falttrichter ballert. Als Antrieb fungierten abwechselnd ein 807-Röhrenpaar und Falks berüchtigter „Zwölfzylinder“ mit eben sovielen EL34, der zwischenzeitlich aber die Segel strich und erstmal nicht zu einer weiteren Zusammenarbeit zu überreden war. Jedenfalls gab’s im ehemaligen „Partykeller“ (oder was auch immer das früher mal gewesen sein mag) die legendären „Grenzwellen“, höchst spezielle Musikabende, in diesem Jahr mit so großartigen Themen wie einem Dark Side Of The Moon – Abend (richtig, alles mit Coverversionen des PF-Klassikers) oder „90er-Pop“ von Slayer, Sepultura und Pantera. Das war so laut und brachial – da musste ich nach ner Stunde oder so aufgeben, ich weiß, ich werde alt… Und da war da noch der „Mädchenabend“ mit Okkyung Lee, Areni Akbabian, Anna von Hausswolff, Puce Mary und Hildur Gudnadottir – sehr großartig.

So. Das soll’s für den Moment gewesen sein. Die gute Nachricht lautet: Das machen wir wieder so. Die komplette Logistik ist schon fürs nächste Jahr bestellt und im Falles des Klosters auch schon angezahlt. Bis es soweit ist und der Eine oder andere sogar die Chance erhält, selbst mal beim Frickelfest mitzumachen, wären da noch rund 750 Fotos zu begucken – nämlich genau hier.

Wenn’s Fragen gibt – immer her damit.

Selbstmord

Fritz!Box 7362SL nackich – minus ein Elko 1000µF / 16V

Das geht so nicht. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber im Moment trifft sie mich mal wieder mit ziemlichem Nachdruck: Ein radikales Umdenken tut Not, auch bei der Art und Weise, wie wir Produkte entwickeln.

Das da oben ist sind die Eingeweide meiner guten alten Fritz!Box, die mich seit dem Beginn des VDSL-Zeitalters absolut anstandslos mit dem Internet verbunden hat. Jetzt nicht mehr. Stille. Komplette Dunkelheit. Vielleicht das Netzteil? Nein, das funktioniert ausgezeichnet. Das Problem lässt sich am 12-Volt-Eingang der Box messen, da herrscht nämlich ein satter Kurzschluss. Was macht der Frickler von Welt mit Ingenieurs-Background? Natürlich den Deckel ab – das kann ja wohl nicht so schwer zu finden sein…

Ist es aber doch. Ich hab ein paar Elkos ausgelötet und nachgemessen, die direkt über der Eingangsspannung sitzen, die sind okay. Schaltregler, die aus besagten 12V die für die Technik verträgliche 5 oder 3,3V generieren, konnte ich nicht sicher ausmachen. Kurz gesagt – das kannste knicken.

Das Ableben meines Routers für sich alleine betrachtet ist nun nicht das größte Problem auf der Welt, aber: Der eigentlich nagelneue wegen Vertragsverlängerung geschenkte Gaul (aka neue Fritz!Box) erwies sich als ebenfalls nicht funktionstüchtig, wie der freundliche Mitarbeiter meines Providers am anderen Ende der Telefonleitung zähneknirschend zugeben musste, bevor er den Versand eines neuen Gerätes in Auftrag gab. Das nagelneu defekte Gerät wollte er nicht zurückhaben – was uns etwas über den Wert eines so hochwertigen und komplexen Produktes sagen will.

Auch das ist nun noch nicht so schlimm, aber jetzt habe ich zwei kaputte Fritzboxen auf den kaputten Laserdrucker gestellt, der eigentlich perfekt funktionieren würde, wenn nicht neulich sein USB-Eingang das Zeitliche gesegnet hätte. Wofür der sich mit einem Knall verabschiedende USB-Hub verantwortlich war – der hat den Datenanschluss des Druckers mit ins Verderben gerissen – was natürlich kein Problem wäre, wenn man einfach die für wenige Euro erhältliche Eingangsplatine wechseln könnte. Richtig, das ist natürlich blühende Phantasie.

Anderthalb Tage später (Kompliment dafür) hatte ich einen brandneuen Router, der – richtig: nicht korrekt funktionierte. Dachte ich zumindest. Das stellte sich aber als falsch heraus, zur Abwechslung war nämlich der angeschlossene Netzwerk-Switch defekt. Nach dessen Austausch bin ich computerös nun endlich wieder voll operabel, blicke allerdings auf einen Haufen mit fünf defekten mehr oder weniger topmodernen High-Tech-Erzeugnissen – bei jedem ist nur eine winzige Kleinigkeit kaputt.

Niemand wir je einen Versuch unternehmen, da wieder etwas Funktionstüchtiges draus zu machen. Vielmehr werden wir das Zeug vermutlich staatlich subventioniert nach Westafrika verschiffen, wo die Ärmsten der Armen zusehen dürfen, wie sie das Kupfer aus den Kabeln gebrutzelt und die Plastikgehäuse so klein geschreddert kriegen, dass das Zeug im Ozean erst später auffällt.

Das geht so nicht weiter.

Mit ist klar, das technische Produkte heutzutage einen Grad an Komplexität erreicht haben, der sie de facto irreparabel macht. Das muss so sein, sonst wären die lächerlich geringen Preise für irgendwas mit ein paar Millionen oder Milliarden Transistorfunktionen nicht zu machen. Und genau da ist das Problem: Die Zeche dafür zahlt der Planet mit radikal schwindenden Ressourcen und die Menschheit, weil sie sich selbst zu Tode müllt. Von der sattsam bekannten Klimadiskussion mal ganz zu schweigen.

Für mich steht jedenfalls unverrückbar fest, dass es ohne einen radikalen Schwenk in Richtung Nachhaltigkeit bei der Produktentwicklung nicht geht. Vermutlich muss das eine drastische Verlangsamung der so genannten technischen Innovation nach sich ziehen, weil’s sonst nicht geht.

Wie ich neulich schon mal in einem LP-Editorial schrieb: Es ist überhaupt kein Problem, heutzutage ein 40 Jahre altes HiFi-Gerät zu reparieren und damit herrlich und in Freuden Musik zu hören.

Versuchen Sie das mal in nur zehn Jahren mit einem Netzwerk-Streamer von heute.