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Tag und Nacht

Zur Abwechslung mal wieder was Musikalisches. Die schwedische Kombo „Kungens Män“ läuft seit einiger Zeit bei mir ziemlich viel. Superentspannte Rockmusik der hypnotischen Art, mal mit mehr, mal weniger Jazz-Einschlägen.

Vinyl? Sicher doch. Gibt’s hier.

Vorhin bei Helmut

Heute durfte ich endlich mal wieder raus und hatte einen richtigen Termin. Nicht weit, nur kurz mal über den Rhein, zehn Autominuten entfernt. Da nämlich hat Industriedesigner Helmut Thiele sein Domizil

Der Mann ist ja mittlerweile eine Größe in der HiFi-Szene und konzipiert alle möglichen tönenden Gerätschaften für diverse Hersteller. Seit Neuestem gibt’s auch Sachen von ihm unter eigenem Namen, den Anfang machen ein Plattenspieler und ein Tonarm. Der Dreher ist eine mehrlagige Subchassiskonstruktion mit einer ganzen Reihe von Besonderheiten:

Darauf montiert Helmut einen hoch spannenden Tonarm mit nachgeführtem Drehpunkt:

Das ist ein spurfehlwinkelkorrigierter Arm – den Begriff „Tangentialtonarm“ würde ich hier gerne vermeiden, auch wenn’s irgendwie auf das Gleiche hinausläuft. Das Ganze funktioniert passiv, die treibende Kraft ist also nur die der Nadel in der Rille.

Klanglich funktioniert das offenbar sehr gut, ich hab‘ zwei Stunden lang reichlich Spaß beim Musikhören gehabt.

Die Idee für die Nachführung des Arms hatte Helmut schon vor vielen Jahren, den ersten Prototypen gibt’s auch noch:

Außerdem hat Helmut ein interessantes „Vergleichsnormal“ längerfristig zu Gast, das man in dieser Ausbaustufe mit dem entkoppelten Unterbau auch nicht mehr oft zu Gesicht bekommt: einen EMT 930:

Ob ich mich mit Helmuts Konstruktionen mal „dienstlich“ in der LP auseinandersetzen werde? Davon ist auszugehen.

Eckhard war da

Eckhard war die Tage mal wieder da. Das macht er schon mal, um ein paar Sachen abzuholen oder vorbeizubringen. Eckhard ist nämlich der Deutschlandvertrieb für… dieses ganze Zeug hier. Und Eckhard hatte Großkalibriges im Gepäck, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Das da unten sind nämlich die brandneuen 211-Monos von Thivan Labs – Sie wissen schon, die Vietnamesen, die sich mit ihren Single-Ended-Röhrenamps in der jüngeren Vergangenheit viele Freunde gemacht haben. Die zweimal rund 30 Kilogramm hier (die man, Zweiteilung sei dank, im Gegensatz zu den großen Vollverstärkern noch ganz gut bewegen kann) heißen schlicht „211 Monoblock“ und bekommen gerade ihre ersten Betriebsstunden.

Derzeit sind sie noch keine ernsthaften Gegner für Christof Krausens wunderbaren Collector’s Choice-Verstärker mit Klangfilm-Treibern und Telefunken-Endröhren (siehe aktuelle LP), aber das legt bestimmt noch zu. Außerdem kostet der exotische Hybrid aus Leipzig auch 20k€, während die 211-Monos mit erfreulich moderaten 6900 Euro pro Paar in der Liste stehen.

Was damit passiert? Weiß ich noch nicht. Aber ich werde berichten.

Ruhrorter Lichfestspiele

Interessantes tut sich dieser Tage in der HB’schen Männerhöhle. Es sind nämlich zwei Tonabnehmer eingezogen, die die natürlich geglaubte Ordnung der Dinge bei der Plattenabtastung ins Wanken bringen.

Ja, beide Tonabnehmer leuchten, denn sie arbeiten nach dem elektrooptischen Prinzip und nicht, wie fast alle anderen heute üblichen „Rillenkratzer“, mit Spule und Magnet. Der mit der grünen eingebauten LED ist nun auch bei mit nix soo Neues mehr, das ist „das kleine“ DS Audio DS-1E. Neu daran ist, dass man bei so etwas mittlerweile nicht mehr auf die hauseigenen Entzerrer angewiesen ist, der Hersteller hat nämlich die Spezifikationen für die artgerechte Aufbereitung der Signale aus so einem „Positionswandler“ offengelegt. Und das hat mein Freund Bernd spitz gekriegt und ist gleich mal zur Tat geschritten. Das Resultat ist das, was auf dem unteren der beiden Fotos rechts steht und sich mit vielen roten LEDs und zwei Röhren die Seele aus dem Leib spielt.

Gerade passend dazu bekam ich das brandneue DS Audio-Topmodell „zum Spielen“, das *hüstel* 55000 Euro teure „Grand Master“. Das System besteht aus dem bernsteinfarben beleuchteten Tonabnehmer (oben), dem dazu passenden Entzerrer (das obere Zylonenraumschiff auf dem unteren Bild) und das dazu passende Netzteil (darunter). Ich bin in beiden Fällen ziemlich fassungslos, was das so aus der Rille einer Schallplatte zu extrahieren in der Lage ist.

D-Ring-End

Ob ich nochmal welche mache(n lasse)? Will ich nicht ausschließen. Eigentlich hat das gut funktioniert. Wenn genügend Bedarf da ist, könnte ich mir das vorstellen.

Ubangi

Normalerweise mach ich sowas ja nicht, aber in diesem Falle musste ich mir einfach mal ein paar Bilder aus Jonathan Weiss‘ Facebook-Timeline ausleihen. Der Chef von Oswalds Mill Audio hat nämlich einen Schatz gehoben, der in der heutigen Zeit ziemlich einzigartig sein dürfte: Ein komplettes Beschallungssystem aus einem Kino in Ohio von 1941.

Das ist ein RCA MI 9462 (auch „Ubangi“ genannt), komplett unverbastelt un in bestem Zustand. Mann, Mann – soviel Dusel muss man erstmal haben.

Wie es aussieht, haben die Herren das Zeug dann gleich mal in die legendäre hauseigene Mühle verbracht und haben gerade viel Spaß damit.

Nachdem ich über die Jahre ja durchaus ein bisschen Western Electric-Erfahrung gesammelt habe – sowas fehlt noch in meiner Sammlung von erstrebenswerten Erlebnissen.

Für zum Kucken

Es geistert sein Monaten durch die HiFi-Social-Media-Szene: jenes wunderbare Buch (falls man das bei 58 Seiten sagen kann) namens „Gateway to Jazz Kissa Vol. 1“.

Das ist Szene-Journalismus, für den ich auch gerne die nötige(n) Freiheitsgrade und Muße hätte. Eine sehr schön in erdigen Pentax-Farben fotografierte und liebevoll geschriebene Abhandlung über die japanische Jazz-Café-Szene. Der Urheber ist der japanische Autor Katsumasa Kusunose. Das in kleiner Auflage produzierte Druckwerk gibt’s nunmehr auch in englischer Sprache.

Besonders anrührend ist die Geschichte über das „Jazz Time Johnny“, das beim großen Erdbeben von 2011 (bei uns eher als Fukushima-Katastrophe bekannt) vom Tsunami dem Erdboden gleichgemacht wurde und mit der Unterstützung von Stammgästen wieder aufgebaut wurde.

Bestellen kann man das gute Stück nur in Japan, was sich als völlig unproblematisch herausgestellt hat und bei mir in zehn Tagen erledigt war.

Hier kann man’s kaufen.

Erstmal auseinandernehmen

Es steht ein Lautsprecherprojekt an, für das es – ich weiß, das mag jetzt überraschend kommen – zwei JBL-Fünfzehner braucht. Ich habe mich für den guten alten 136A entschieden, eine noch etwas extremere Variante dessen, was in meiner 4355 werkelt, und außerdem mit AlNiCo-Antrieb. Der 136A war übrigens die Ur-Bestückung der legendären JBL L300, der Heimversion des Studiomonitors 4333.

Der Eine oder andere wird sich erinnern – ich hatte da mal einen sehr günstigen JBL K130 erstanden, dessen Antrieb mit dem des 136A identisch ist und der deshalb danach schreit, in einen solchen transformiert zu werden. Heute war er dran, die alten Membran samt feststeckender Schwingspule musste weichen:

Die Schwingspule sah eigentlich gar nicht so schlimm aus. Okay, ein bisschen „gekocht“, aber eigentlich fällt nichts auf, was die ziemlich gründliche Blockade im Luftspalt würde erklären können:

In einem sehr erfreulichen Zustand befindet sich das Magnetsystem, zumindest rein optisch. Erst mal möglichen groben Dreck per Staubsauger enfernt, aber viel war da nicht:

Die obligatorische Reinigung des Luftspaltes mit Klebeband förderte auch keine größeren Probleme ans Tageslicht:

Anschließend ein kleiner Check mit meinem neuen Spielzeug, einem ziemlich günstigen Teslameter, das bislang ziemlich plausible und reproduzierbare Werte in diversen Luftspalten ermittelt hat:

Um festzustellen, ob ein Antrieb der Aufmagnetisierung bedarf oder nicht scheint das „Schätzeisen“ durchaus geeignet. Der D130-Magnet sollte eigentlich 1,2 Tesla haben, das hier ist also ein bisschen knapp und sollte mal nachbehandelt werden.

Also: Luftspalt vor dem Eindringen von Ungemach schützen, Messwert dranschreiben und (nicht im Bild) Korb abschrauben.

Jetzt gucken wir mal, was der Fundus für den zweiten Antrieb parat hält, dann gehen die Antriebe auf die Reise zum Fachmann mit der Magnetisiermaschine.