Hömma, Wilfried…

Heute in der Post: die finale Ausgabe der hifi & records. Ein paar Worte zu einer Publikation, die ich sehr geschätzt habe

Das Foto da zeigt die Rückseite der letzten Ausgabe der hifi & records. Starker Abgang, lieber Wilfried. Sowas auf der U4, mit der man alternativ bestimmt noch ein paar Euro hätte schnappen können, das finde ich gut. Wie ich auch vieles andere gut gefunden habe, was du all die Jahre (genauer gesagt: derer 24) lang getan hast.

Wenn ich mir das Editorial zu diesem deinen letzten Heft durchlese, dann scheinst du den Stecker aus der Publikation zu ziehen, solange es noch ein bisschen Spaß macht. Ich weiß, was du meinst und gebe dir in der Sache natürlich recht. Die HiFi-Landschaft hat sich über die Jahre stark verändert und zu einem skurrilen Jahrmarkt der Attraktionen gewandelt, bei dem derjenige gewinnt, der am lautesten schreit. Nicht der, der das beste Produkt hat.

Liebe Wilfried, ich habe dich immer als sehr erfahrenen Lotsen durch die Untiefen der hifidelen Gewässer geschätzt. Du hast es immer verstanden, auf eine fundierte und unaufgeregte Art die Wahrheit zu sagen. Das sind rare Qualitäten, die dem deutschen HiFi-Journalismus bitter abgehen werden, der ja nun leider in steigendem Maße von planlos prospektabschreibenden Billig-Claqueuren dominiert wird.

Dein fundamentales Wissen um die Dinge und deine Fähigkeit, selbiges in lesenswerte Form zu bringen werde ich genau so vermissen wie deinen 50(!)-seitigen Musikteil, der durch praktisch nichts gegenfinanziert und unternehmerischer Irrsinn war. Die Liebe zur Sache auch unter diesem Aspekt so lange konsequent durchzuziehen – Respekt.

Ich hoffe, ich lese ab und zu mal was von dir in gewohnter Qualität auf eurem Online-Dings und würde mich sehr freuen, dich mal wieder an irgendeiner Hotelbar zu treffen, wenn die Welt wieder etwas normaler tickt.

4 Gedanken zu „Hömma, Wilfried…

  1. Rafael

    Also eine deutsche Ausgabe von stereophile brauche ich zumindest nicht. Den Verlust auf eine weitere Lobhudelei auf den wirksamen Einfluß von Netzsteckerleisten und Kontaktmitteln mit gefühlt 70 % Werbeseiten von Kabelherstellern kann man wirklich verschmerzen. Habe neulich ein paar alte Ausgaben von Image Hifi und Stereo nochmals durchgeblättert, in denen Dirk S. und Uli M. den Direktantrieb („horrible ductu“) sowas von schlecht gemacht haben, um die Zeitschriften danach mit einem sehr breiten Grinsen in die blaue Tonne zu werfen. Allerdings waren und sind nicht alle Zeitschriften schlecht, es bleibt die unvergessene sound practices („most switches have plastic around, they call it isolation“auf die Frage, warum die Schalter nicht aus Metall sind), aktuell kaufe ich mir nur noch -ohne HB schmeicheln zu wollen- die LP (die man sich auf den Couchtisch legen kann, ohne daß man schon von der Covergestaltung Augenkrebs bekommt wie bei Stereoplay), klasse finde ich nach wie vor die japanische stereo sound (die wunderbaren Fotos kompensieren meine Japanschkenntnisse) und manchmal die Mint. Ich habe noch einige Ausgaben der schweizerischen HiFi- Scene: die Glaubenskriege um die Platine Verdier kann man mittlerweile auch nicht mehr durchlesen…Liebe GrüßeRafael

    Antworten
  2. DerAlteDachs

    Ja, ich gebe es zu, ich bin ein wenig geschockt … die neue H&R aus dem Briefkasten gezogen (wie seit Ausgabe 1 !!) und dann die Nachricht „Das wars“ !Eine Zeitschrift, die nach einen Zäsur im HifiZeitschriftenMarkt 1995 betont nüchtern und immer messgestützt dem klassische HighEnd nachgegangen ist … man kann nur Respekt zollen das das so lange geklappt hat und das ohne bestimmten Trends hinterher zu laufen. Einiges war mir oft zu dogmatische, einiges war bahnbrechend (Messung Lautsprecher in Raum) aber auf jeden Fall verlieren wir den besten MusikTeil der deutschen HifiLandschaft … und eine deutsche Version der Stereophile ist nicht in Sicht ….

    Antworten
    1. hb Beitragsautor
      Du willst echt ne deutsche Stereophile?
      Ich würde ja auch gerne mal was mit Herb machen, aber braucht man das ansonsten?
      Antworten
      1. DerAlteDachs

        Von den englischsprachigen Zeitschriften find ich die Stereophile ehrlich gesagt am sympathischsten. Die Mischung aus aktuellen Gerätetests mit kommentierten MessTeil und das Geplauder über hifirelevante, aber eher weniger kommerzielle Themen wie zb der 604-Artikel vom bedauerlicherweise verstorbenen Art Dudley les ich gerne. Auch deren Konzept, Print & Website nicht gegeneinander auszuspielen sondern das ganze zu kombinieren find ich sehr gelungen. Ist halt wie immer auch Geschmackssache. Die englische Hifi + find ich ebenfalls ganz okay, die Absolute Sound dagegen kann ich nicht lesen, da bekomm ich Kopfschmerzen von 😉

        Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.