Phenolharz

Eigentlich wollte ich ja heute, pflichtbewusst wie ich nun mal bin (hüstel), das Eine oder andere fürs kommende LP-Plattenspielerspezial in die Tastatur bugsieren. Hat aber nicht geklappt, stattdessen hab ich mit diversen JBL-Treibern erfolgreich den halben Tag verprokrastiniert.

Da waren zunächst die beiden Einzöller vom Typ JBL 2470, die mit beim Frickelfest waren und an Markus Klugs 808-Zellularhörnern wirklich bezaubernd Musik gemacht haben. Einer von beiden hatte, das haben vorherige Messungen ergeben, ein kleines Problem in Gestalt einer nicht so schönen Zehn-Prozent-Klirrspitze. Klar – entweder Dreck im Luftspalt oder Reste vom sich zersetzenden Dämmmaterial an einer Stelle, wo man‘s nicht gebrauchen kann. Außerdem wollte ich die Treiber endlich per jüngst gefertigten Adaptern an die Hörner schrauben und mich endlich von den improvisierten Klemmmechanismen verabschieden, die den Job bislang gemacht hatten.

Zunächst jedoch waren meine anderen Phenolharz-Schätzkes dran, nämlich ein Paar 2480, das ich neulich für sehr erträgliches Geld in England erstanden hatte. In Sachen Antrieb dasselbe wie die beiden Alumembran-Klassiker 2440 und 2441 (letztere schieben ja in meiner 4355 Dienst), also riesige Alnico-Klötze mit vier Zoll durchmessenden Membranen.
Mein beiden Neuerwerbungen sehen zwar etwas ramponiert aus, sind aber funktionstüchtig. Da das dazugehörige Projekt keine wirkliche Eile hat, sollen die beiden auch ordnungsgemäß wiederaufgearbeitet werden.
Da gibt‘s zunächst den Zustand der Verschlussschrauben zu beklagen: Die Kreuzschlitze in den (viel zu weichen) Köpfen sind kaputt. Ich hab sie mit Mühe und Not ohne Gewalt herausbekommen und gleich mal 10-24 UNC in 2“ Länge bestellt. Das Gewinde sollte passen, der Durchmesser des Kopfes (in diesem Falle wird‘s Inbus) jedoch nicht: Die werden noch abgedreht werden müssen.


Unter dem Deckel kommen die ziemlich imposanten harzgetränkten Leinenmembranen zum Vorschein, die hier in erfreulich gutem Zustand und zumindest ziemlich gleich sind. Die Gleichstromwiderstände direkt an den Schwingspulenzuleitungen betragen 9,41 respektive 9,32 Ohm, das sieht nicht nach Kurzschluss aus. Das Dämmmaterial in den rückwärtigen Deckeln zerfällt, wie erwartet, beim scharfen Angucken zu Staub. Es gibt hier und da ein bisschen Korrosion, aber nur geringfügig.
Ich plane eine Neulackierung nach dem Entmagnetisieren und zerlegen, habe im Moment aber noch keine Ahnung, wie man die Schätzkes auseinander bekommt. Kein Problem, das kriege ich raus. Die Substanz ist jedenfalls gut, das ist das Entscheidende.

„Auf den Schrauben ist noch der originale Siegellack, die Dinger waren noch nie offen“. Misstrauen Sie solchen Äußerungen von Verkäufern zutiefst. Im Falle meiner 2470 wusste ich, dass der Satz keinen Pfifferling wert war, denn die fein säuberlich rot angepinselten Schrauben hatten teilweise völlig vermurkste Köpfe. Original – klar doch. Zwei dieser Schrauben gingen dann auch nicht ohne Aufbohren, darunter – war doch klar – kamen dann zwei reichlich unterschiedliche Membranen zum Vorschein. Macht nix, der Kurs für die Treiber war ziemlich okay. Außerdem funktionieren sie auch ziemlich gut. Dreck habe ich per doppelseitigem Klebeband reichlich aus den Luftspalten geholt, auf der einen Seite gab‘s schon jede Mengen Dämmmaterialreste auf der Membran. Ich wage zu behaupten, dass das kleine Klirrproblem damit behoben ist. Die korrodierten Anschuss- und Befestigungsschrauben liegen noch bis morgen im „Alles wird gut“-Bad, dann sehen wie wieder aus wie neu. Auch hier wird‘s natürlich neue Verschlussschrauben geben, so dass zumindest die beiden Einzöller bald wieder ihren Dienst aufnehmen können.

Und morgen mach ich Plattenspielerkram, versprochen…

8 Gedanken zu „Phenolharz

    1. hb Beitragsautor
      Hallo Andreas,
      das ist ein guter Bekannter von mir mit viel Erfahrung und entsprechendem Equipment; wenn ich seine Identität öffentlich mache, kann er mich vermutlich nicht mehr leiden ;-). Ich bitte um Verständnis.
      Antworten
  1. Bjørn Aaholm

    Holger, we need to talk… Did you measure the magnetic force in the gap and found it lower than spec?

    I have a pair of 2482 lying around, that beg for a little TLC and then to play music.

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    1. hb Beitragsautor

      Hi Bjørn,
      no, I didn’t measure the field. One reason is: I can’t. Due to the lack of a teslameter. The other is that the drivers will be „discharged“ for disasembly, and there’s not much reason to measure them right now. I am planning with Dietmar and his great magnet charging machine, who doesn’t know yet ;-). After reassembly and recharging, we will for sure take some measurements.

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      1. Bjørn Aaholm

        Is removing the rear cover enough to discharge the alnico magnets?? I thought it would take more disassembly than that.

        Yeah, Dietmar has all the good stuff…

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          1. Dietmar

            Hallo Holger -sehe erst jetzt deine tollen JBL Treiber.
            Ja -ich könnte deine Treiber entmagnetisieren und zerlegen ,und bei der Gelegenheit die meist verrosteten Polplatten aussen leicht überdrehen.
            Die „Pötte“ und Deckel kann man Sandstrahlen und danach mit Kräusellach beschichten.
            Aufmagnetisieren und Spaltjustage kann ich übernehmen.
            Grüsse Dietmar
            PS kannst Du mir die Klang und Ton Ausgabe, in der die ‚Lamar‘ Treiber beschrieben sind, zukommen lassen?

  2. Jochen

    …wir sollten das zusammen machen also im Norden von München einfallen und danach den Lackierer „beauftragen“ – kann die Phenolicas ja dann nach Neumagnetisierung wieder mit nach Duisburg bringen – ich muss ja mal wieder in die Harmonie…

    LG Jochen

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