Eine kleine Elektronikgeschichte

Aus mir erst mal nicht erklärlichen Gründen hab ich’s warm im Arbeitszimmer. Zu warm. Deutlich. Ein Blick aufs Display meines natürlich Smart-Home-gesteuerten Thermostatventils vermeldet 21°C – alles gut. Aber glauben tu ich’s nicht. zumal der Heizkörper echt ordentlich „brät“. Also drehe ich spaßeshalber mal das Ventil auf „off“. Es passiert – nix. Der Motor im Ventil bleibt still, der Heizkörper heiß. Ein Batteriewechsel im Ventil bringt nix.

Doch halt: Beim Kalibrierlauf des Ventils nach dem Einsetzen der Batterien ist was komisch: Das Ventil verfährt nicht und das Display vermeldet dauerhaft Kalibrierungsmodus. Also nehme ich das Ventil auseinander (ich habe ja sonst nix zu tun) und freue mich darüber, dass ich überaus stolzer Besitzer eines raren vollständigen WBT-Werkzeugsets 0490 bin, in dem ein genügend langes und schlankes Torx T6-Bit vorhanden ist, um das Ding aufzubekommen. Tief versenkte T6-Schrauben – echt jetzt???

Sieht soweit alles gut aus. Ich drehe das in einer Endposition stehende Getriebe ein Stück von Hand zurück, schraube das Ventil wieder zusammen und setze die Batterien ein. Die Kalibrierungsroutine startet, der Motor dreht – bis er wieder am Anschlag stehen bleibt. Er müsste jetzt eigentlich die Richtung wechseln und in die andere Richtung fahren. Macht er nicht.

Was folgern wir daraus? Motorsteuerung kaputt. Vermutlich eine per Mikrocontroller angesteuerte H-Brücke, mit vier Transistoren realisiert. Von denen garantiert genau einer durch ist. Oder irgendein Chip, in dem das Ganze integriert ist. Ein nagelneues Ventil kostet mit Versand 18 Euro 50 – dafür fange ich doch nicht an, so’n modernes SMD-Teufelszeug auch nur auseinanderzunehmen…? Doch. Muss. Und offensichtlich stimmt meine Vermutung:

Die vier schwarzen Kleckse mit den drei Anschlüssen, das sind definitiv die Motortreibertransistoren. Und Google spuckt beim Suchen nach „Transistor 5B“ und „Transistor 6B“ sogar brauchbare Typenbezeichnungen aus: BC807 und BC817. NPN- und PNP-Klassiker mit 500 mA Stromlieferfähigkeit, das schreit förmlich nach Motortreiber. Je 50 Stück (!) davon bekomme ich bei Ebay für zweimal 1€22, plus (einmal) 1€80 Versand.

Ich mach das jetzt. Reparieren. Aus Prinzip. Weil’s geht.

Ich gebe Bescheid, was dabei herausgekommen ist.

Ich muss mal…

… ein bisschen Werbung in eigener Sache machen. Was ich an dieser Stelle ansonsten ja eher nicht tue.

Thivan Labs 811/572 Anniversary, DynamiKKs! Model 12

In der neuen „LP“-Ausgabe gibt’s eine Geschichte über die Thivan Labs / Dynamikks-Kombi, die ich ja auch hier schon öfter angesprochen habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie das lesen wollen.

Umzug

[Update 1] Das Gröbste in Sachen Umzug ist schon erledigt. Jetzt noch diverse Bildergallerien wiederherstellen und ein paar Links anpassen.

Lange hat’s gedauert, aber ich habe endlich beschlossen, 1und1 (oder besser „Ionos“, wie’s mittlerweile heißt) in Sachen Hosting den Rücken zu kehren.

Da sowas in den seltensten Fällen rumpelfrei geht, kann es sein, dass es in den nächsten Tagen ein paar Probleme mit der Erreichbarkeit dieser Seite geben wird – ich bitte um Verständnis. Das betrifft auch diverse meiner Email-Konten.

Wenn das erledigt ist, kommt auch ganz bestimmt zügig die Geschichte vom diesjährigen ETF – echt gezz ;-).

ETF und so

In wenigen Stunden geht’s los, 688 Kilometer in die Normandie sind zurückzulegen, die 2019er Ausgabe des European Triode Festivals ruft. Natürlich werde ich ein wenig Live-Berichterstattung während (über die üblichen Social Media-Kanäle) und eine größere Geschichte nach der Veranstaltung fabrizieren.

Wer den einen oder anderen Bericht von den Geschehnissen in der jüngeren Vergangenheit vermisst – keine Sorge, die sind noch da und unter Messe- und Besuchsreports“ oben in der Navigation zu finden. Ich bastle gerade ein wenig an der Funktionalität dieses Blogs herum, deshalb die geänderte Organisation.

Frickelfest Essentials 2019

Ja, wieso denn nicht mal was an passend vorgeprägter Stelle veranstalten? Olli und Ralf haben da was genau Richtiges gefunden und einen großartigen Frickelfest-Ableger im niedersächsischen Worpswede ins Leben gerufen

Richtig. Worpswede, da war was: Da gibt’s diese 1889 gegründete Künstlerkolonie, die Generationen von mehr oder weniger bekannten Malern, Bildhauern, Architekten und Vertreter noch anderer Kunstfertigkeiten hervorgebracht hat. Warum also nicht frickelndes Volk für ein Wochenende in der kulturschwangeren Umgebung unterbringen? Hat geklappt, der Intervention der beiden Organisatoren sei Dank. Sie konnten den wunderschönen Diedrichshof dingfest machen und die Betreiber davon überzeugen, dass Frickler trotz nicht zu leugnender spezieller Defekte eigentlich ganz harmlos sind.

Ja, klar, der Geist der Veranstaltung ist natürlich ans große Frickelfest angelehnt, so war das auch gedacht: Ich hatte seinerzeit mal ein bisschen Reklame dafür gemacht, dass Leute mit entsprechendem Elan das Konzept lokal, gerne auf etwas kleinerer Flamme adaptieren – daher auch das „Essentals“ im Namen. Die Saat ist (noch) nicht so richtig flächendeckend aufgegangen, aber Ralf und Olli aus Bremen, die haben sich bereits zum vierten Mal die Orga für so etwas angetan. Mein Kompliment dafür – Dank sowieso.

Im Diedrichshof ging’s am Freitagnachmittag los. Micha und ich waren spät dran, die Luxus-Locations zum Installieren des mitgebrachten Zeugs waren natürlich schon weg. Machte gar nix, mit ein wenig Umräumen ließ sich die Lobby des Gebäudes in ein ganz ausgezeichnetes „Spielzimmer“ verwandeln. In dem fand dann auch noch das Setup von Alex bequem Platz. Natürlich hat’s ein bisschen gedauert, bis das alles wunschgemäß spielte, aber das ist ja immer so: Mal n Teppich hier „ausleihen“, die dahinten können bestimmt noch ein paar von den schön plüschigen Stühlen entbehren. Irgendwann passt’s dann und man geht zum gemütlichen Teil des Tages über.

Bei uns lieferte der Yamaha GT750 die Töne, den ich vor Jahren mal umgebaut habe. Darauf wohnt ein 14″ langer Clearaudio Unify, darunter hatte ich das unverwüstliche Audio Technika AT-5V geschraubt. Wenn Sie so’n Ding übrigens noch kriegen können – kaufen. Echt jetzt. Lohnt. Phonovorverstärkt haben wir mit ifi Audio und meiner Spezial-Stromversorgung (Klang + Ton 6/16), das tut ziemlich klasse.

Von da aus ging’s ein eine olle Rotel-Vorstufe, die Ralf uns freundlicherweise geliehen hatte. Als Endstufe machte Michas F6-Clone einen ganz hervorragenden Job.

Ja, Lautsprecher. Zwei Zehner und n Horn mit Druckkammertreiber, alles alte Bekannte. Darüber möchte ich noch nicht zuviel verraten, da ist nämlich ein bisschen mehr dran. Kommt in die nächste Klang + Ton. Uuuuund wird außerdem beim Analog Forum in Krefeld am kommenden Wochenende (02. + 03.11.) spielen. Natürlich bei Andrejs Staltmanis im Raum, ist doch klar ;-).

Und so ging dann der Abend in bewährter Manier ins Land. Nach dem wie üblich viel zu knappen Schläfchen begrüßte uns der Samstagmorgen mit erfreulich schönem Wetter. Den Fotografen freut’s ganz besonders, das Licht im Diedrichshof war lecker. Und draußen in den ausgedehnten Parkanlagen sowieso. Endlich Zeit, sich mit den ganzen mehr oder weniger konventionellen Konstruktionen zu beschäftigen, die die Leute so angekarrt hatten.

In Sachen Lautsprecher war alles vertreten: Von Horn bis geschlossen, von Bass bis Reflex und von Open bis Baffle. Angesteuert mit Sand oder Vakuum, schaltend oder nicht. Sehr viel selbstgemachtes Zeug, große Klasse.

Zwei Konstellationen möchte ich an dieser Stelle besonders erwähnen, so unfair das allen anderen gegenüber auch ist. Da wäre zunächst die faszinierende Rundum-glücklich-Lösung von Elke und Michael. Eines der ganz wenigen Paare in der Szene, das gemeinsam an der Realisation seines klanglichen Traums bastelt. Wobei „Basteln“ den Kern der Sache schon nicht mehr so ganz trifft, die zwei haben schon einen professionellen Anspruch an ihr Tun.

Tja. Und dann war da noch dieses Paar nachgebauter JBL 4430, das Falk und Uwe irgendwie ins Dachgeschoss in eine kuschelig kleine Kemenate gewuchtet hatten. Vor den Dingern habe ich größere Teile des Samstagabends verbracht und eine Menge großartiger Musik gehört, die ich vorher nicht kannte – das ist ja immer so bei den beiden. Was die JBL-Trümmer in der Dachkammer angerichtet haben, das war gemein. Und ich brauche endlich ein 2235H-Shirt. Dieser verdammte olle Fünfzehner ist einfach das Großartigste, was jemals in ein Reflexgehäuse geschraubt wurde. Ich muss es ja wissen, bei mir im Wohnzimmer spielen ja vier von den Pappen – zumindest näherungsweise.

An diesem Abend ist definitiv bei einigen Leuten die Entscheidung gefallen, dass ein Paar dieser Kisten ins Haus muss. Allen Beschaffungsschwierigkeiten insbesondere beim „Arschbackenhorn“ 2344A zum Trotz. Aber: Vielleicht kommt da was. Ich will noch nicht zuviel versprechen, aber es sieht nicht so schlecht aus für einen guten Nachbau davon. Nein, nicht das P-Audio-Ding, mit dem wir seinerzeit mal einen 4430-Klon in der Klang + Ton gebaut hatten, das ist endgültig Geschichte.

Schon wieder eine Nacht zum Tag gemacht, schon wieder viel zu wenig geschlafen – alles wie Immer. Nach dem ziemlich luxuriösen Frühstück haben wir unseren Kram wieder in den Kombi gestopft. Der Originalzustand der Lokalität war ziemlich schnell wieder hergestellt. Allerdings möchte ich nicht wissen, wie lange Olli und Ralf nach der Abreise der Teilnehmer dort noch malocht haben.

Was bleibt ist… tatsächlich eine Menge. Da wäre die Entscheidung fürs nächste private Lautsprecherprojekt (dazu in Kürze mehr auf diesem Kanal) und viele Erinnerungen an extrem entspannte und freundliche Mitmenschen. Und genau das muss die Essenz einer solchen Veranstaltung sein.

Bilder. Gibt’s jede Menge. Zum Beispiel von Micha, Uwe, Jochen und Olli. Und von mir.