ALE P7550 am Taiwan-Horn – Messungen

Okay, Freunde des gepflegten Lautsprecher-Irsinns, hier nun also ein bisschen was Greifbares zum 20-Kilo-Permendur-Klotz samt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Leim gegangenen Taiwan-Horn.

Bei näherer Betrachtung isses ganz so katastrophal eigentlich nicht. Aber so richtig gut funktionieren tut’s auch nicht. Werfen wir einen Blick auf den Schalldruck-Amplitudenverlauf in einem Meter Abstand:

Da geht schon was bei tiefen Frequenzen. Aber nichts, was auf eine segensreiche Wirkung des Horns schließen lässt – sehen wir gleich im Impedanzschrieb. Über zwei Kilohertz ist’s mit der Linearität dahin, was sich aber irgendwie in den Griff bekommen lassen würde. Ich will auch nicht völlig ausschließen, dass die Probleme hier mit der unerfreulichen strukturellen Integrität des Horns zusammen hängen. Ich glaub’s nicht, aber wetten möchte ich darauf nicht. Der Wirkungsgrad liegt realistisch bei 99 Dezibel an 2,83 Volt. Das ist nicht leise, aber für so ein Kaliber eigentlich zu wenig. Was ein weiteres Indiz dafür ist, dass das Horn den Treiber nicht lädt.
Also gut, Impedanzschrieb:

Bei gut 200 Hertz gibt’s eine lupenreine Resonanz. Mit einem richtigen Peak beim Betrag der komplexen Impedanz und einer ausgeprägten Phasendrehung. Das Dumme ist nur, dass das wie die Freiluftresonanz eines Treibers aussieht und nicht wie die Impedanz eines hornbelasteten Systems. Deshalb sieht’s so aus, als würde das große Holzhorn schlicht gar nichts tun.
Klirrverhalten bei 95 Dezibel Schalldruck:

Das ist in Ordnung, aber nicht toll: Unter 500 Hertz steigen die Verzerrungen deutlich an – wiederum sieht es so aus, als ob das Horn nicht laden würde. Mit dem k2-Peak bei 5,5k könnte ich leben.
Klirr bei 105 Dezibel Schalldruck:

Hier verlassen die Dinge langsam den Rahmen des Tolerablen. Gewiss, 105 Dezibel sind nicht leise, bei dieser Kombination werden die aber mit ein paar Watt erreicht, und da darf die Schallabstrahlung noch nicht so zusammenklappen.
Letztlich das Wasserfalldiagramm:

Aufföllig ist der lange Ausschwinger im Bereich dessen, was ich Freiluftresonanz des Treibers nennen würde. Keine Bedämpfung durchs Horn, da wäre so etwas erklärlich. Der Rest des Spektrums schwingt erfreulich schnell aus.

So. Daraus darf nun ein Jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Vielleicht machen wir noch mal einen Impedanzschrieb ohne Horn vor dem Treiber, um die Theorie zu überprüfen, dass das Horn eigentlich nix tut.

3 Gedanken zu „ALE P7550 am Taiwan-Horn – Messungen

  1. Michael Vogel

    Hi Holger,
    tolles Projekt. ich würde nicht so schnell aufgeben.
    1. Das Horn: häng doch mal einen jbl dran, da weiss man doch ungefähr, was kommen müsste und ob das Horn und/oder der Treiber defekt ist (ich tipp ja mal auf ein kaputtes diaphragma)
    Das Horn sollte schon ab 500Hz oder so gehen. Viel tiefer abtrennen würd ich eher. deshalb könnten die membranen evntl. auch durch sein
    2. Die Bässe erinnern optisch + von den Parametern an altec 416, nur das sie viel tiefer laufen. Kann man bestimmt eine sehr geile abstimmung mit sanft abfallendem, aber tiefen bass finden.

    lg

    micha

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  2. Daniel

    Hallo Holger,
    wenn du Interesse hast könnte ich dir Adapter von YL Gewinde auf 1″ und Goto S-600 Hörner borgen. Ob die von den Gewinden zum ALE passen weiss ich nicht. Nachmessen kann ich aktuell auch nichts, da bis 6. April auf Montage…

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  3. JosH

    Danke Holger!

    So schlecht sieht das wirklich nicht aus. Ähnlich wie Goto. Wenn das so klingt wie Goto, kann man das bis 9kHz prügeln. Oder el. bei 3k Filtern und eff bei 6k trennen (?)
    Bzgl. Horn bemerkte ich schon oft bei Biradial alá TH4001 oder Fostex H220 dass diese erst 2 Oktaven über Cutoff voll „laden“. Spherische laden IdR schon 1 Oktave drüber.

    Der schwache Wirkungsgrad bleibt aber trotzdem ein Rätsel. So unähnlich ist das dem TAD TH4001 doch nicht. Und das funktioniert gut…

    ?????

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