Abseitiges – in eigener Sache

Ich darf mal kurz ein bisschen Werbung in eigener Sache machen, okay?
Seinerzeit, als ich mich noch richtig darum gekümmert hatte, war mein Gartenblog auch unter den Besuchern dieser Seite hier eine recht beliebte Angelegenheit.
Nun, seit geraumer Zeit tut sich da wieder was in nennenswertem Maße und ich plane, auch weiterhin für frischen Content in Sachen Gemüseanbau, Bienenzucht und Skurrilitäten ausse Kollenie in Bottrop zu sorgen. Wennze kucken willz – hier kannze.

ALE P7550 / WA-4000N

Wie versprochen, haben wir nochmal einen Impedanzschrieb des P7550 gemessen. Solo, ohne Horn. Der ist praktisch deckungsgleich mit dem mit Horn, woraus wir folgern dürfen, dass der Trichter an dem Treiber schlicht nicht funktioniert. Bedauerlich und letztlich der letzte Nagel in Sarg dieses Projektes. Vielen Dank für die Angebote, mit zusätzlicher Hardware auszuhelfen, aber das erscheint mir unter gegebenen Voraussetzungen (knapp drei Monate Zeit) nicht zielführend.

Vielleicht ist es ja eine gute Idee, zumindest die vier (oder zwei) Tieftöner in ein Projekt zu integrieren?
Eine TSP-Parametermessung verschafft Klarheit:

  • fs: 21,3 Hz
  • Qms: 4,07
  • Qes: 0,218
  • Qts: 0,207
  • Cms: 0,794
  • Mms: 70,5 g
  • Re: 13,6 Ohm
  • BL: 24,2
  • Vas: 811 l
  • Sd: 855 cm²
  • Kennschalldruck: 97,6 dB

Das ist ohne Zweifel ein leckerer Tieftöner. Mit einem schön altmodischen Parametersatz mit sehr niedriger Güte, extrem weicher Membranaufhängung, sehr geringer bewegter Masse, einem extrem kräftigen Antrieb und einem daraus resultierenden fürstlichen Äquivalentvolumen.
Die Simulation sagt: irgendwas in der Etwas-über-30-Hertz-Gegend in einem Volumen von 180 Litern. Bassreflexabgestimmt, versteht sich.
Könnte man so machen.
Das ist allerdings schon die Oberkante des sinnvollen Volumens für dieses Schätzchen und diese Bassabstimmung beginnt ihren Sinkflug zu tiefen Freuquenzen hin schon relativ früh. Was zur Folge hat, dass von den siebenundneunzigeinhalb Dezibel Wirkungsgrad im relevanten Bereichnur noch gut 90 übrig bleiben. Womit man schon zwei Treiber pro Seite einsetzen müsste, um eine „richtige“ Box damit zu realisieren – in dieser Hinsicht war das Originalkonzept also durchaus auf dem richtigen Weg.


Also mal eben was mit 360 Litern pro Seite zimmern und ganz scharf nachdenken, was man darüber einsetzen kann? Ich weiß nicht so recht.
Zumal es ja nicht so ist, dass da im Regal nicht das eine oder andere Paar interessanter Tieftöner darauf warten würde, endlich mal eingesetzt zu werden :-D.

ALE P7550 am Taiwan-Horn – Messungen

Okay, Freunde des gepflegten Lautsprecher-Irsinns, hier nun also ein bisschen was Greifbares zum 20-Kilo-Permendur-Klotz samt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Leim gegangenen Taiwan-Horn.

Bei näherer Betrachtung isses ganz so katastrophal eigentlich nicht. Aber so richtig gut funktionieren tut’s auch nicht. Werfen wir einen Blick auf den Schalldruck-Amplitudenverlauf in einem Meter Abstand:

Da geht schon was bei tiefen Frequenzen. Aber nichts, was auf eine segensreiche Wirkung des Horns schließen lässt – sehen wir gleich im Impedanzschrieb. Über zwei Kilohertz ist’s mit der Linearität dahin, was sich aber irgendwie in den Griff bekommen lassen würde. Ich will auch nicht völlig ausschließen, dass die Probleme hier mit der unerfreulichen strukturellen Integrität des Horns zusammen hängen. Ich glaub’s nicht, aber wetten möchte ich darauf nicht. Der Wirkungsgrad liegt realistisch bei 99 Dezibel an 2,83 Volt. Das ist nicht leise, aber für so ein Kaliber eigentlich zu wenig. Was ein weiteres Indiz dafür ist, dass das Horn den Treiber nicht lädt.
Also gut, Impedanzschrieb:

Bei gut 200 Hertz gibt’s eine lupenreine Resonanz. Mit einem richtigen Peak beim Betrag der komplexen Impedanz und einer ausgeprägten Phasendrehung. Das Dumme ist nur, dass das wie die Freiluftresonanz eines Treibers aussieht und nicht wie die Impedanz eines hornbelasteten Systems. Deshalb sieht’s so aus, als würde das große Holzhorn schlicht gar nichts tun.
Klirrverhalten bei 95 Dezibel Schalldruck:

Das ist in Ordnung, aber nicht toll: Unter 500 Hertz steigen die Verzerrungen deutlich an – wiederum sieht es so aus, als ob das Horn nicht laden würde. Mit dem k2-Peak bei 5,5k könnte ich leben.
Klirr bei 105 Dezibel Schalldruck:

Hier verlassen die Dinge langsam den Rahmen des Tolerablen. Gewiss, 105 Dezibel sind nicht leise, bei dieser Kombination werden die aber mit ein paar Watt erreicht, und da darf die Schallabstrahlung noch nicht so zusammenklappen.
Letztlich das Wasserfalldiagramm:

Aufföllig ist der lange Ausschwinger im Bereich dessen, was ich Freiluftresonanz des Treibers nennen würde. Keine Bedämpfung durchs Horn, da wäre so etwas erklärlich. Der Rest des Spektrums schwingt erfreulich schnell aus.

So. Daraus darf nun ein Jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Vielleicht machen wir noch mal einen Impedanzschrieb ohne Horn vor dem Treiber, um die Theorie zu überprüfen, dass das Horn eigentlich nix tut.

Rest in pieces

Das mit der großen ALE-bestückten Box, das wird nix. So leid es mir tut und so gerne ich den Großtaten wenigstens einen würdigen Auftritt verschafft hätte – die technischen Fakten sprechen dagegen. Zuerst haben wir heute mal das Mittelton-Geschütz vermessen:


Die entsprechenden Grafiken vom Messrechner mitzunehmen habe ich natürlich gleich mal vergessen, die liefere ich morgen nach. Fest steht, dass die Horn-/Treiberkombi nicht so recht Freude aufkommen lassen will. Sie ist realistisch einsetzbar zwischen 500 Hertz und zwei Kilohertz. Das Horn scheint den Treiber erstaunlicherweise gar nicht zu laden, daher die relativ hohe untere Grenzfrequenz. Oberhalb von 2k ist’s mit der Linearität des Treibers leider vorbei. Selbst wenn man das geradegebogen bekäme, bleibt der drastisch ansteigende Klirr.

Stellt sich die Frage: Können 2k vielleicht reichen? Kann der Hochtöner vielleicht soweit herunter, dass sich da noch etwas sinnvoll kombinieren lässt?


Schwer zu sagen, zum Messen sind wir leider nicht gekommen, weil der Luxus-Tweeter einen offensichtlichen Wackelkontakt hat und die Impedanz der Schwingspule nur sporadisch stimmt. Sowas wie ein Kontaktierungsproblem des Schwingspulendrahtes ist unter Umständen lösbar, also habe ich beschlossen, den Hochtöner zu öffnen. Mit dem Zentrieren von Hochtönerschwingspulen habe ich jahrelang mein Geld verdient, deshalb mache ich mich vor dem Zusammenbau von sowas nicht bange.
Leider war die Situation nach dem Öffnen deutlich unerfreulicher als angenommen:


Die Membran ist kaputt. Aus dem ultradünnem – ich vermute – Berylliumblech ist schlicht in der Mitte ein Stück herausgebrochen. Da ist mit Bordmitteln nix zu machen.

Bleibt zum Trost, dass wir jetzt alle mal in einen superseltenen ALE-Hochtöner hineingucken durften.

Die Hoffnung, die dazugehörigen Lautsprecher zum Leben zu erwecken, ist damit aber leider gestorben.

Der aus der Kälte kam

Das ist nun weit davon entfernt, ein zur Veröffentlichung gedachten Foto zu sein, aber den hier wollte ich Ihnen nicht vorenthalten: Das ist der brandneue Vollverstärker der „Novosibirsk Electronic Manufacturing LTD“, kurz NEM.
Härtere HiFi-Fans wissen, dass ein Mann namens Aleksey Burtsev unter diesem Label Verstärker und D/A-Wandler baut, die der Münsteraner Vertrieb Ultraudio immer wieder mal nach Deutschland holt.
Der brandneue Vollverstärker aus Sibirien ist ein zweiteiliges Ungetüm von rund 85 Kilogramm Abtropfgewicht, in dem ein besonderes Derivat der 300B für knapp 15 Watt Ausgangsleistung pro Kanal gut ist. Eines der beiden Gehäuse beherbergt die Treiber-, das andere die Ausgangsstufe. Selbstverständlich agieren in beiden Fällen Unmengen von Induktivitäten als unverzichtbare Hilfsmittel der elektrisch extrem „kurzen“ Burtsev’schen Schaltungstechnik.
Ist nicht billig, das gute Stück (29k), aber bestimmt sehr spannend.

Mal sehen, vielleicht krieg ich sowas ja mal in die Finger.

Phono-Gefrickel professionell

Eine Phonovorstufe auf dem Headshell – das gab’s schon mal, ich meine von Clearaudio. Aber eine, die im Tonarmrohr verschwindet – das ist neu und geht (natürlich) auf das Konto eines langjährigen Frickelfestteilnehmers: Dominik aus Aachen hat mit seinem zu großen Teilen aus dem 3D-Drucker stammenden Tonarm sowieso schon für Aufsehen gesorgt, jetzt hat er die passende Erweiterung dazu gebaut. Das Headshell zu seinem „Calypso“ ist eine Platine, auf der die Phonovorstufe gleich mit untergebracht ist. Dank SMD-Bauweise ist die so schlank geraten, dass sie sich in das acht Millimeter durchmessende Tonarmrohr schieben lässt.
Sehr clever!


Wer seinen Tonarm selber baut, der hat auch keine Probleme damit, die Leitungen für die Versorgungsspannung zum Ort des Geschehens zu verlegen – richtig?
Bis jetzt ist das Ganze noch im Prototypenstadium und wir wissen noch nicht genau, was draus wird. Wenn das mal irgendwie erhältlich sein sollte, gebe ich auf alle Fälle Bescheid.

Big in Japan

Wie ich ja schon angedeutet habe, war „unser“ Paar der ALE-bestückten Lautsprecherdickschiffe auch schon in England zur Begutachtung. Tatsächlich gibt’s aber noch (mindestens) eine Adresse, die sich auch schon damit beschäftigt hat, nämlich Kenrick Sound in Japan – in der Vintage-JBL-Szene als professioneller Restaurator der alten Schätzchen aus Northridge nicht ganz unbekannt. Und Kenji wäre nicht Kenji, hätte er nicht die Videokamera draufgehalten:

Das dicke Ding, zum Zweiten

Heute wollen wir und mal einen Blick auf die Mitteltonsektion der beiden Fernost-Boxenmonster werfen. Zum Warmwerden erstmal der das als Antrieb fungierende Permendur-Monster neben einem gut abgehangenen JBL-Phenolharz-Zweizöller aus meinem Fundus. Der ist zwar auch nicht kleiner, aber locker fünf Kilo leichter:

Kommen wir mal zum Mitteltonhorn selbst. Das Ding ist locker 80 Zentimeter breit und so geschätzte 30 Kilogramm schwer. Es besteht im Wesentlichen aus geschichtetem Birkenmultiplex, der Treiber wird per Schraubflansch in eine locker 20 Millimeter dicke Aluplatte gedreht, die den rückwärtigen Abschluss bildet.









Auf zwei Bidern hab ich versucht, die strukturellen Probleme aufzuzeigen, die es bei dieser Konstruktion gibt. Der dicke Treiber zerrt dermaßen an dem Horn, dass es die Konstruktion buchstäblich zerreißt – wie man sieht, sind die Sektor-Unterteilungen innen im Horn schon auf der einen Seite abgerissen. Der Umstand, dass die Lautsprecher schon mindestens einmal um die Welt gereist sind, hat die Sache ganz eindeutig nicht besser gemacht. Vorher stand genau dieses Paar übrigens bei Audio Note in England – Peter Qvortrup und seine Mannen wollten aber offensichtlich auch nicht beliebig viel Aufwand in das Projekt investieren.
Die nächste schreinerische Sünde: stumpf verleimte Holzverbindungen, gnadenlos überfurniert. Das mag ein Jahr oder zwei gutgehen, irgendwann aber kommt die Racher des Materials und die Kante drückz sich gnadenlos durchs Furnier. Das tut’s hier auch bei dem Horn, das Problem gibt’s an anderen Stellen der Box aber noch ungleich schlimmer.

Für morgen plane ich, das Hörnchen inklusive Treiber in die Nähe unserres Lautsprechermessplatzes zu wuchten und dem Kollegen Schmidt unterzujubeln, der misst nämloch gerade den Einzelchassistest für die kommende Klang + Ton – vielleicht merkt er’s ja nicht ;-).